Archiv für den Monat Dezember 2017

Der beschnittene Jesus

Der Schluss meiner Weihnachtspredigt über Lukasevangelium Kap. 2 hat einige überrascht.

Die Hirten beten das Kind an und erzählen, was sie erlebt haben. Der Frieden Gottes setzt in Bewegung. Die Empfänger werden Verkündiger. Sie loben Gott. Und dann denken wir: Ein schöner Schluss. Denn soweit wird die Geschichte in den Weihnachtsgottesdiensten meistens verlesen und bedacht. Aber – das wird euch überraschen!  – der eigentliche Schuss kommt in  Lukasev. Kapitel 2, Vers 21!

21 Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.

Alle Geburtsgeschichten der Bibel enden mit Beschneidung und  Namensgebung: Ismael, Isaak, die Söhne Jakobs, Simson, Johannes der Täufer.

Der jüdische Ritus der Beschneidung nach der Tora war und ist den Christen immer ein wenig unheimlich. Ich kann das hier nicht vertiefen. Es genügt zu verstehen, dass damit ein jüdischer Junge in den Bund Gottes hineingenommen wird. Die Beschneidung ist das Zeichen des Bundes mit Gott.

Hätten die Kirchen diesen Vers in ihren Weihnachtsgottesdiensten nicht weggelassen und auf weniger wichtige Sonntage verschoben, hätte wohl kein Nazi auf die Idee kommen können, dass Jesus ein nordischer Arier war. Er war ein Jude, wird in dieses Volk hineingeboren, dessen Auftrag er nicht auflöst, sondern für die ganze Welt erweitert. Wo heute die Judenfeindlichkeit wieder in Deutschland auftaucht, dass wir einen Antisemitismusbeauftragten der Regierung brauchen, ist mir wichtig zu betonen, dass wenigstens jetzt die Christen diese unselige Vergangenheit überwinden. Man kritisiert mit Recht die islamische Judenfeindschaft. Aber wir Christen haben selber eine bald zweitausendjährige Judenfeindschaft. Da ist noch  viel zu tun, nicht zuletzt ein besserer Umgang mit der Bibel.

Der „Retter der Welt“ ist Jude. Und dieser Jude ist nicht nur Prophet, der sieht, wo es lang gehen sollte, sondern er ist der Heiland, der diese Welt erlösen kann. Ob das einer den Muslimen in Abu Dhabi erklärt, wenn künftig das Bild „Salvator Mundi“ dort ausgestellt wird?

Jesus bringt den Frieden, der höher ist als alle Vernunft, aber dies oft in Konfrontation mit den Erlassen der Mächtigen dieser Welt. Das erste Wort ist „Augustus, der Kaiser“. Das letzte Wort ist aber Jesus, der wahre Heiland der Welt. Sie sind Antipoden! Innerer und äußerer Friede gehören zusammen. Man muss sich aber schon auf ihn einlassen. Er kommt nicht von allein. Weihnachten ist also nicht einfach das „Fest der Liebe“, sondern das Fest der Liebe Gottes. Nicht einfach das „Fest des Friedens“, sondern das Fest des von Gott geschenkten Friedens.

Dieser Friede Gottes wird gefeiert in dem Brief des Paulus an die Philipper (4,4ff.): „Freut euch im Herrn allezeit. Und immer wieder will ich es sagen. Freut euch! Lasst alle (!) Menschen eure Güte erfahren. Sorgt euch um nichts. Und Gottes Friede, welcher weiter reicht als alle Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“

Und führe uns nicht in Versuchung

Kürzlich brachte ich eine Gemeinde im Gottesdienst beim wie üblich gemeinsam gesprochenen „Vaterunser“ durcheinander. Wie peinlich, wenn man am Mikrophon vorbetet. Dieses Gebet habe ich ja wohl schon einige tausendmal gesprochen. Und dann „vergesse“ ich die Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung“. Werde ich zu alt? Oder nur eine Freud’sche Fehlleistung? Schließlich hatte mich früher schon einmal ein Mesner provokativ gefragt, warum ich die Bitte mit der Versuchung „falsch formuliere“.

Mittlerweile hat er prominente Unterstützung bekommen. „Und führe uns nicht in Versuchung“ – diese Zeile des Vaterunsers findet Papst Franziskus falsch. In Frankreich wurde das Gebet schon verändert. Bisher hieß es: „Und unterwerfe uns nicht der Versuchung.“ „Ne nous soumets pas à la tentation“. (Das klingt tatsächlich eher islamisch als christlich. Beten eigentlich Frankreichs Protestanten anders?) Nun heißt die Zeile: „Und lasse uns nicht in die Versuchung eintreten.“ „Et ne nous laisse pas entrer en tentation.“  Der griechische Urtext in Matth. 6,13 bzw. Lukas 11,4 ist eigentlich klar, aber eine Übersetzung bietet immer Variationsmöglichkeiten. „Versuchung“: Das griechische Wort „peirasmos“, das dem zugrunde liegt, hat ein weites Bedeutungsspektrum. Es kann neutral „Prüfung“, „Erprobung“ meinen – ohne böse Absicht. Es kann aber auch meinen, jemanden auf die Probe zu stellen – mit der Absicht, ihn zu Fall zu bringen. Letzteres ist gewiss nicht gemeint. Und das „hineinführen“? Thomas Söding, Professor für Neues Testament an der Ruhr-Universität Bochum, lehrt,  dass das entscheidende Verb auf Deutsch eindeutig „hineintragen, hineinbringen“ heiße. Das Subjekt, Gott, trägt die Menschen in etwas hinein, und zwar – eingeleitet durch die griechische Präposition „eis“(zu, hin) – in die Versuchung. „Versuchung steht im Akkusativ, ist also auch grammatikalisch als Ziel dieser Bewegung, dieses Hineintragens gekennzeichnet. „Bei Matthäus und bei Lukas steht exakt dieselbe Wendung; sie geht auf die Logienquelle zurück, die älteste Sammlung von Jesusworten“, so Söding. Der Sinn sei „unzweideutig“.

Wenn es tatsächlich ein Wort Jesu ist, könnte man auch auf seine aramäische Sprache zurückgehen. In einem alten aramäischen Abendgebet heißt es wörtlich übersetzt: „Bringe mich nicht in die Gewalt der Sünde und nicht in die Gewalt der Schuld und nicht in die Gewalt der Versuchung.“ Der Beter denkt dabei nicht, dass Gott ihn in Sünde, Schuld und Versuchung bringen will, sondern bittet um Bewahrung davor. Dr. George M. Lamsa, dessen Muttersprache Aramäisch ist, übersetzt diese aramäisch gedachte sechste Bitte so: „Lass uns nicht in Versuchung fallen! Oder: Führe uns, auf dass wir nicht in Versuchung fallen!“ Genau in diesem Sinn hat Jesus seine Schüler einen Tag vor seiner Hinrichtung gewarnt: „Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt!“ (Mk 14,38)

Der Neutestamentler Klaus Berger etwa schlägt eine andere Übersetzung vor. Seiner Meinung nach wäre es zutreffender, zu sagen: „Führe uns an der Versuchung vorbei.“ Auch der Theologe und Philosoph Rupert Lay bietet eine Alternative: „Und führe uns auch in der Versuchung!“

Eine ganz andere Variante findet sich bereits in der „Bibel in gerechter Sprache“. Dort ist diese Bitte des Vaterunsers so übersetzt: „Führe uns nicht zum Verrat an dir!“

Mittlerweile hat eine muntere Debatte eingesetzt, die über Übersetzungsfragen hinausgeht.

Der Jesuit Klaus Mertes kürzlich im Deutschlandfunk: „Man wird das Problem nicht los, wenn man die Vaterunser-Bitte verändert. Nur ein Beispiel: Jesus  wird vom Geist in die Wüste geführt, damit er dort versucht wird. Gemeint ist der Geist Gottes, also dass Gott das Subjekt des Schickens in die Wüste ist, wo der Ort der Versuchung ist, ist ein biblisches Motiv. Unbestreitbar… Warum bin ich krank? Warum fühle ich mich gottverlassen? Warum ist meine Ehe geschieden? Alle diese Fragen führen mich in eine Vertrauensfrage an Gott und das ist eine schwere Prüfung für jeden Menschen, der gläubig ist. Und das einfach damit zu lösen, dass man sagt: Gott hat damit gar nichts zu tun, das finde ich, ist eine zu leichte Lösung.“

Der evangelische Theologe Christoph Markschies: „Gott führt in Situationen, in denen die Menschen leicht in Versuchung geraten können. Die Versuchung selbst hingegen vollzieht der Teufel. Im Fall des Jesus von Nazareth absolut erfolglos übrigens. Jesus widerstand allen Verlockungen. Die zweifelhafte Macht, die der Teufel ihm verhieß, lehnte er dankend ab – mit Hinweis darauf, dass allein Gott die Macht zustehe. Jenem Gott also, der die Menschen manchmal in Situationen hineinstellt, die Entscheidungen fordern. Jenem Gott, von dem die Gläubigen nur Gutes erwarten – der aber bisweilen schwer verstehbare Wege empfiehlt.“

Natürlich kommen jetzt wieder die „Verschwörungstheologen“, die böse Machenschaften der Kirche am Werke sehen. Der Journalist Franz Alt sagt, er sei überzeugt, dass „die Hälfte der Jesusworte, so wie sie in unseren Bibeln stehen, falsch übersetzt oder gar bewusste Fälschungen sind“. So kann man sich alles gefällig zurechtbiegen.

Ich bleibe vorerst bei der Erklärung Martin Luthers zur sechsten Bitte in seinem Kleinen Katechismus: „Gott versucht zwar niemand; aber wir bitten in diesem Gebet, dass uns Gott behüte und erhalte, damit uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge und verführe in Missglauben, Verzweiflung und andere große Schande und Laster; und wenn wir damit angefochten würden, dass wir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten.“

Vielleicht sollten wir Pfarrer öfter mal über eingefahrene Formulierungen stolpern, damit wir das wichtigste Gebet der Christenheit nicht einfach herunterleiern.

Anstöße

Heute trifft sich die kleine Redaktion der “anstöße“, das „Zentralorgan der Offenen Kirche (OK)“ in Württemberg. Wir wollen  das nächste Heft vorbereiten, müssen aber erst einmal die leidige Synode mit ihren unseligen Beschlüssen zur „Trauung für alle“ „verdauen“. Es liegen eine Menge schriftlicher Reaktionen von Leuten vor, die naturgemäß alle ihre Enttäuschung ausdrücken. Man könnte allein damit ein Heft füllen, das leider nur viermal im Jahr erscheint. Der Platz ist  also beschränkt. Und es gibt natürlich noch andere wichtige Themen.

Ich finde, man muss den Gegnern einer Trauung gleichgeschlechtlicher Christen bestreiten, dass sie sich zu recht auf Bibel und Bekenntnis berufen. Das Evangelium ist  reicher als die Auslegung die üblicherweise zu diesem Thema geboten wird. Vielleicht können die Texte aus dem „Hohen Lied der Liebe“, die im Januar zur Bibelwoche vorgeschlagen werden, die Wahrnehmung mancher Leute erweitern. Mein Lehrer Helmut Gollwitzer hat schon 1978 dazu ein schönes Plädoyer für Liebende „Das hohe Lied der Liebe“ (Kaiser Traktate) geschrieben. Wie es im Klappentext heißt: „Helmut Gollwitzers Auslegung des Hohenliedes wird zum Lobpreis der geschlechtlichen Liebe als wunderbares Geschenk des Schöpfers. Gollwitzer entwirft Grundzügen eine neue Sexualethik, ja  eine neue Ethik der Liebe. Er spannt den großen verbindenden Bogen von der Sexualität über Eros und Agape bis zur Feindesliebe und einer „Theologie  der Zärtlichkeit“. Dieses Buch setzt ein Signal, es ist die „Aufforderung an die Kirche und die Christen, endlich ein unbefangenes Verhältnis zum Sexus und Eros zu  gewinnen.“ Endlich!

Es ist dringend, dass wir eine entsprechende „Trauagende“ erarbeiten. Das muss ja kein Kirchengesetz sein. Gute „Text-Bausteine“ würden manchem Liturgen auf die  Sprünge helfen. Wahrscheinlich werden ja überall im Ländle irgendwelche Segnungen stattfinden. Ein offener Austausch wäre wünschenswert.

Schon jetzt werden viele Trauungen nicht in der zuständigen Gemeinde gehalten. Viele Paare suchen sich eine hübsche Kirche aus. Könnten man nicht für gleichgeschlechtliche Paare irgendwo eine nette Schlosskapelle finden, die für solche Gottesdienste gut geeignet ist? Braucht man eigentlich noch ein „Kirchenregisteramt“? Seit 1871 übernimmt das Standesamt die rechtlich relevante Registrierung.

Leider kann man von der weltweiten Ökumene nicht viel Unterstützung erwarten. In Rußland, Afrika oder Asien ist Homosexualität noch immer tabu. Sie haben oft nicht einmal die Frauenordination akzeptiert. Der „rechte Rand“ der Kirchen ist ziemlich dick!

Immer wieder fragen wir nach dem spezifischen Beitrag unserer Kirche. Ich übersetze das „eccclesia semper reformanda“ mit „Kirche als Vortrupp des Lebens“ und nicht als „Nachhut  der Tradition“. Dazu muss man nun aber das „Priestertum aller Glaubenden“ wirklich ernst nehmen. Da wäre doch interessant, welche Erfahrungen die „Regenbogengemeinden“ machen. Siehe z.B www.bkh-wue.de/initiative-regenbogen.

Na ja, und dann müssen wir schauen, was wir für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung tun sollten. Die nächste Landessynode trifft sich jedenfalls  vom 8.-10. März 2018.

Ostasienmission

In Stuttgart  treffen sich Mitglieder und Freunde der Deutschen Ostasienmission zu ihrem Studientag  im Advent. Viele haben früher länger in Japan, China oder Korea gearbeitet, weshalb man sich ein wenig wie auf einem Familientreffen vorkommt. Jüngere Leute fehlen leider.

Zunächst erklärt Pfarrerin Eva Ursula Krüger die Geschichte der Evangelischen Kirche in China anhand von neuen Rollbildern, die der Chinesische Christenrat (CCC) hergestellt hat. Es ist aufschlussreich, wie sich die chinesischen Christen selber sehen. Es ist bekannt, welchen enormen Zuwachs das Christentum in China derzeit erlebt. Mangels genauer Statistiken vermuten manche 100 Millionen. Genau bekannt ist hingegen die Einwohnerzahl der Volksrepublik: 1,4 Milliarden wurden 2015 gezählt.

Dass die Kirchen Probleme mit dem Staat haben, verwundert nicht. Die neue Regierung scheint die Zügel wieder anzuziehen. Der Co-Präsident der Ökumenischen Gesellschaft Schweiz—China Christoph Waldmeier referiert über die revidierten „Vorschriften für religiöse Angelegenheiten“ der VR China. Die Verfassung gewährt Religionsfreiheit, aber die Autorität der kommunistischen Partei darf nicht  gefährdet werden. Im Konflikt gibt es keine Anwälte, die die Rechte der Kirchen durchsetzen könnten.

Lutz Drescher, früher Referent für Ostasien im Evangelischen Missionswerk EMS hat schon öfter aus Nordkorea berichtet. https://ems-online.org/laender/asien/korea/nordkorea. Nun zeigt er Bilder von seiner jüngsten Reise in dieses noch immer ziemlich unbekannte Land. Er korrigiert einmal mehr das düstere Bild, das die meisten Medien zeichnen und betont, dass die Raketen- und Atomtests ausdrücklich der Verteidigung dienen sollen.

„In Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang entdecke ich viele neue Restaurants, sogar auf einem Vergnügungsdampfer mit dem schillernden Namen „Regenbogen“ kann man seit kurzem dinieren. Fast an jeder Ecke gibt es inzwischen einen Kiosk und eine Vielzahl an Geschäften säumt die Straßen. Angeblich sind die Läden auch gut bestückt, hauptsächlich mit Produkten aus China. Selbst dort einkaufen oder nur einmal einen Blick hineinwerfen, dürfen wir leider nicht, erklärt mir einer unserer Begleiter.

Ja, ohne Begleitung kann ich mich auch bei meinem vierten Besuch in Nordkorea nicht bewegen. Unsere internationale Delegation des Ökumenischen Rates der Kirchen ist in einem 47-stöckigen Hotel auf einer kleinen Insel im Taedong-Fluss untergebracht. Um uns herum chinesische Touristengruppen. Für sie gibt es sogar ein Freizeitbad und ein Skigebiet. Viele neue Hochhäuser wurden errichtet, und am Ufer des Taedong-Flusses ist ein ganzes Areal von Apartment-Türmen für Wissenschaftler entstanden. In Weiß, Rot und Blau prangt der Slogan für die Staatsdoktrin der unabhängigen Entwicklung an der Fassade. Neu ist jedoch die Kombination mit den Schlagwörtern „Kwahakhwa“ und „Hyundaihwa“ – wissenschaftlicher Fortschritt und Modernisierung.

Ich kann nur spekulieren, was diese neuen Slogans zu bedeuten haben: Zusammen mit der wachsenden Privatisierung könnten diese zum Programm des noch jungen neuen Führers des Landes, Kim Jong-Un, gehören. Offensichtlich will er aus Pjöngjang ein Musterbeispiel dafür machen, wie das gesamte Land in Zukunft aussehen soll.“

Schließlich berichtet Dieter Bullard-Werner ( Basler Mission BMDZ) von einem Projekt der Esslinger Jugendkantorei (JU KA), die mit jungen Chören in Asien musiziert  hat. Das ist offenbar eine tolle  Möglichkeit, junge Leute mit Christen in Asien zsammenzubringen und alte Vorurteile über die Mission aufzulösen. Sie schreiben selber u.a.:

„Die Reise mit der Jugendkantorei war für mich eine sehr große Bereicherung. Mich haben vor allem die Fußstapfen der frühzeitigen Missionsarbeit beeindruckt. Selbst in weiter Ferne kann ich heute noch meinen Schwestern und Brüdern offenherzig begegnen.“

„Es war eine sehr schöne Reise mit vielen, tollen Impressionen, welche uns noch sehr lange nachgehen werden. Die so ganz anderen und ungewohnten Bedingungen machten es uns in Malaysia anfangs schwer, doch nach und nach lernten wir die verschiedensten Facetten des dortigen Lebens kennen und schätzen. Außerdem merkte man genau, das „Musik verbindet“ nicht nur eine leere Worthülse ist; diesen Vorgang am eigenen Leib zu spüren empfand ich als sehr beeindruckend. Europe meets Asia, quasi ein musikalisches Eurasien. Musik ist Völkerverständigung, Diplomatie, sie bringt Menschen zusammen. Ich denke, dass man mit Musik viel in Richtung Frieden bewirken kann.“

„Ich bin nun seit vier Jahren in der Jugendkantorei und diese Reise hat mir gezeigt, wie gut wir zusammenhalten. Natürlich ist mir das auch in Italien und Zuhause bewusst, jedoch haben wir noch nie eine Reise in solch einer Dimension unternommen. Für viele war das etwas völlig Unbekanntes, und trotzdem hatten wir eine riesen Menge Spaß und konnten zusammen viel Neues entdecken, weil gut aufeinander Acht gegeben wurde und man sich anderen JuKalern anvertrauen und sich aufeinander verlassen konnte.“

„Beeindruckende Gastfreundlichkeit, die man in jedem Land erfahren konnte. Beim direkten Kontakt mit lokalen, jungen Leuten – vor allem im Dschungel von Malaysia – wurde uns die Vorbestimmtheit deren Leben aufgezeigt. Nur für wenige ergibt sich die Möglichkeit eines Studiums und auch die Wahl dieses Studium ist eng begrenzt. Das hat uns einerseits die Wichtigkeit der Basler Mission – die viele bei Ihrem Theologiestudium unterstützt – aufgezeigt und wie viel man dort schon mit kleinen Dingen bewirken kann. Andererseits wurde uns vor Augen geführt, was für ein Leben wir führen dürfen, mit einer freien Wahl unserer Zukunft, ganz egal in welche Richtung. Diese Wahl haben die meisten Menschen nicht und wir sollten öfter darüber nachdenken, welches Glück wir haben. Glück, das man nicht verschwenden sollte, stattdessen lieber dafür sorgen, dass mehr Menschen solch eine Wahl haben. Dass diese Jugendlichen auch glücklich waren und in welchen Dingen sie Glück finden, hat uns nochmals gezeigt, dass Erfolg und Reichtum ein ganz anderes, viel kurzweiligeres Glücksgefühl erzeugen, als es Musik und eine gute Gemeinschaft tun.“

„In der Volksrepublik war es hochinteressant zu sehen, auf welch vielfältige Weise sich kirchliches Leben in einem mehrheitlich nichtchristlichen und vor allem politisch vollkommen areligiösen Umfeld vollzieht. Eine gemeinsame Erfahrung durften wir jedoch sowohl in der riesigen, modernen Tin Ho Church in Guangzhou, als auch in der baufälligen Kirche in Xingning oder auch in Meizhou machen: wir wurden unfassbar herzlich begrüßt und unser Chorgesang wurde begeistert aufgenommen. Letzteres galt auch für unseren Aufenthalt in der pulsierenden Finanzmetropole Hongkong: Allen voran unsere Ausflüge in Kleingruppen zu verschiedenen sozialen Einrichtungen der Tsung Tsin Mission werden mir wohl in lebhafter Erinnerung bleiben.“

Weitere Berichte und Bilder findet man unter https://juka-in-asien.com/.