„Fride sei mit euch“

November ist Krimi-Zeit. Wenn draußen die Stürme toben, dann mache ich es mir mit einem Krimi gemütlich. Neuerdings gern auch mit Kirchen-Krimis. Das scheint eine eigene Gattung zu werden. Immer wieder schreiben KollegInnen Kriminalromane, deren Handlungen sie sich wohl in langweiligen Sitzungen ausdenken. Nun hat Pfarrerin Kathinka Kaden (früher in der Evangelischen Akademie Bad Boll) einen „komischen Krimi mit viel Schwäbisch“ herausgebracht unter dem Titel „Fride sei mit euch“ (wellhöfer verlag Mannheim, 2017, 216 Seiten, 12,95 €).

Fride heißt die Hauptfigur, eine Vikarin, die gerade ihre erste Stelle auf der Schwäbischen Alb antritt. Viele Dialoge sind denn auch in schwäbisch, was die Lektüre für Nicht-Württemberger etwas beschwerlich macht. So kann die Autorin ihre binnenkirchlichen Kenntnisse verwerten und uns einen Einblick in das Tun und Lassen der jüngsten Theologinnen-Generation verschaffen. Ohne Klischees geht es dabei natürlich nicht ab. Im ersten Teil ist noch wenig von einem Krimi zu spüren. Es geht mehr um die Liebesgeschichte der Vikarin mit einem jungen Priester mit „haselnuss-braunen Augen“.  Der ist offenbar ein rechter erotischer Raubritter mit reichlich „One-Night-Stands“-Erfahrungen,  der genau an den richtigen Stellen streicheln kann. „Der Zölibat schützt vor der Einehe.“ Die folgenden Verwicklungen des Versteckspiels kann man sich denken: Hilflose Gespräche mit Freundinnen, Supervision, Kontakte mit Ausbildungspfarrer, Dekan und Kirchenleitung. Eben die „Erzählgemeinschaft Kirche“. Auf Seite 131 geht der junge Priester endlich ins Kloster, sodass sich die Vikarin neben ihren eigentlichen Aufgaben dem Kriminalfall widmen kann: einem üblen Frauenhandel, der bis in die beschauliche Gemeinde reicht, die sich allerdings als ziemliches Haifischbecken entpuppt.

Nun spielt die Autorin ihre juristischen Kenntnisse aus, die sogar amerikanische Auslieferungspraktiken einschließen.  Auch mit Pferden scheint sie sich gut auszukennen. Mit Kircheninterna sowieso. Vielleicht geht sie manchmal zu sehr ins Detail , wenn sie ausführlich kirchliche Texte zitiert. („Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott in Bitte und Fürbitte, Dank und Anbetung“, so beschrieb der Haller Reformator Johannes Brenz – nicht Luther! S. 202 – das Gebet.) Köstlich dann wieder der Versuch der Vikarin, endlich auch eine Traupredigt zu schreiben, denn mit der christlichen Ehe und herkömmlichen Sexualmoral hat sie es nicht so. S.183ff.

Neben spannender Unterhaltung bietet der Roman Einblicke in das Seelenleben einer jungen Theologin, die ihren Weg in den geistlichen Beruf noch sucht, der lange von Männern dominiert war. So mag das Verständnis für die „Feminisierung“ des evangelisch-kirchlichen Personals wachsen.

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