Der Autoskandal

Nachdem ich fast drei Monate seelsorgerlich mit Autobauern – Ingenieure, Verkäufer, Manager – in Changchun (China) gearbeitet habe, habe ich einen gewissen Eindruck von ihrem Innenleben. Ich war erstaunt über das durchaus kritische Bewusstsein zur Mobilität und den verständlichen Ärger über “Dieselgate“. Ihr Dogma war aber immer: „Wir bauen Autos, die die Kunden wollen.“ Ganz falsch ist das nicht!

In der gegenwärtigen Debatte fällt auf, dass die Autofirmen zu Recht kritisiert werden, viel zu wenig die mitverantwortlichen Politiker und überhaupt nicht die Autokäufer. Diese gelten als unschuldig, da sie es „ja nicht gewusst“ haben. Das stimmt aber nicht. Die Umweltfeindlichkeit der Autos allgemein und der Dieselmotoren im Besonderen ist lange bekannt. Irgendwann in den 80iger Jahren las ich ein Buch „Umweltfeind Auto“, das leider nicht mehr lieferbar ist. Ich gab danach meinen „Jetta- Diesel auf. Seit dieser Zeit ärgere ich mich über die Ignoranz meiner Zeitgenossen, die selbst für kurze Entfernungen das Auto benutzen. In den 90iger Jahren gab ich mein Auto ganz auf und führte in unserer Gemeinde „Teilauto – Carsharing“ ein. Spott war die Folge. Die meisten wollen „Spaß am Fahren“ haben, schauen vielleicht noch auf den Preis. Alles andere ist egal. Mütter bringen ihre Kinder in SUVs zum Kindergarten, „weil der Verkehr so gefährlich ist“. Absurd! Dennoch finden sich in der Kirche m.E. die meisten Leute, die den Autokult ablehnen und nach intelligenten Mobilitätskonzepten suchen.

Es ist sicher richtig, dass Seelsorger zunächst den Einzelnen im Blick haben. Angesichts der Kartell-Vorwürfe gegen fünf deutsche Automobilkonzerne mahnt der Wolfsburger Industriepfarrer Peer-Detlev Schladebusch, die Mitarbeiter nicht vorschnell zu verurteilen. »Die meisten, die da arbeiten, haben die Fehler nicht gemacht«, sagt der evangelische Theologe. Aber auch: »Wo steigende Renditeforderungen eine Rolle spielen, stellt kühle Strategie die Ethik oft hintenan.« Dabei hätten viele Menschen eine große Sehnsucht, verantwortungsvoll zu handeln. Dies stelle er etwa in den Gebetskreisen großer Konzerne, darunter VW, Daimler, BMW, Opel, Audi, Porsche oder Bosch, fest. Schladebusch ist Sprecher der Initiative »Christen in der Automobilindustrie« (CAI). In den Gebetsrunden werde für persönliche Anliegen gebetet, aber auch für die Lösung von Konflikten im Unternehmen oder für die Vorstände. Die Gebetskreise funktionierten auch als Netzwerk und seien eine Art »Gütezeichen« für die Unternehmen: »Die Forscher, Ingenieure oder Fließbandarbeiter geben einander Mut, eigenverantwortlich zu handeln.«

Ich wundere mich, dass es kaum deutliche Kritik aus Kirchenleitungen gibt. Liegt es daran, dass unsere Bischöfe selber gern große Autos fahren (lassen)? Haben sie Angst vor dem „Totschlagsargument“ der gefährdeten Arbeitsplätze? Fürchten sie die Lobby der Autoindustrie?

 Die Suche nach Alternativen muss weitergehen. Das Elektroauto ist jedenfalls keine Lösung, solange der Strom aus Kohle oder Atomkraftwerken gewonnen wird. Von anderen Umweltproblemen zu schweigen. Es wird höchste Zeit, dass nicht nur die Hersteller und Politiker, sondern auch die „Verkehrsteilnehmer“ umdenken.

Der Umweltökonom Niko Paech verspricht sich vom Autoskandal, dass der motorisierte Individualverkehr insgesamt auf den Prüfstand kommt. Öffentlicher Verkehr oder das Fahrrad bergen seiner Ansicht nach „unglaublich tolle Potenziale, gerade für die Fortbewegung innerhalb einer Stadt“, sagte er im Deutschlandfunk.

http://www.deutschlandfunk.de/wachstumskritik-das-auto-ist-kein-normales-produkt.694.de.html?dram:article_id=392533

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