Im Reich der Gegensätze

Unsere Zeit in China geht zu Ende. Mit vielen widersprüchlichen Erfahrungen und Beobachtungen kehren wir heim. 90 Seiten Tagebuch und andere Bücher warten auf die Auswertung. Eines, das meine Gefühle gut ausdrückt, ist das Buch der Olympiasiegerin 2008  im Fechten Britta Heidemann „Willkommen im Reich der Gegensätze: China hautnah.“ ( Bastei Lübbe, Köln 2014). Sie spricht nicht nur seit ihrer Schulzeit perfekt chinesisch, sondern hat auch ein Studium der „Regionalwissenschaften China“ absolviert. Ihre Diplomarbeit befasst sich mit der Entwicklung alternativer Energien in China. Seitdem berät sie deutsche Firmen und Politiker. Sie beschreibt das Land und seine Menschen mit unerschütterlicher Sympathie. Das ist heilsam angesichts des „china bashing“ vieler Journalisten und Expats , das oft genug auch seine Berechtigung hat.

„In Peking merkt der westliche Besucher an jeder Ecke: Chinesen ticken einfach anders. Ein Verkehrsunfall wird dort zur munteren Diskussionsrunde, an der sich Passanten rege beteiligen, die Wartenden an der Bushaltestelle sind allesamt in Tiefschlaf gefallen, und im Park halten sich Rentner mit Tanzen und Tai-Chi fit. Diese Andersartigkeit genießt Britta Heidemann immer wieder, und sie lädt uns ein, sie bei einem Spaziergang vom alten ins neue China zu begleiten, von den traditionellen Palästen und engen Gassen hin zu modernen Einkaufstempeln und glitzernden Hochhäusern der modernen Metropole. Dabei öffnet sie uns die Augen für den chinesischen Alltag, erklärt die Hintergründe oft seltsam anmutender Verhaltensweisen und bringt uns so eine Kultur näher, mit der uns viel mehr verbindet, als wir oft denken.“

Am letzten Sonntag in Peking  gehen wir nach all den Besichtigungen buddhistischer und daoistischer Tempel in einen christlichen Gottesdienst. Die deutschsprachige Gemeinde macht Urlaub. https://www.d-cip.com/

Wir können in einen englischsprachigen der Gemeinde Haidian  fahren. Die „Beijing Haidian Christian Church“ hat einen eindrucksvollen Internetauftritt.  Aber sie liegt am andern Ende der Stadt. http://english.hdchurch.org.

So entscheiden wir uns für die „Beijing International Christian Fellowship“ – Gemeinde, die wir zu Fuß erreichen können. Die Kirche unterhält neunzehn (registrierte) Gemeinden in der Stadt. Sie begann 1980 mit zehn Mitgliedern und hat heute nach eigenen Angaben über 3000. http://www.bicf.org/

Der Gottesdienst findet nicht in einem klassischen Kirchenraum statt, sondern in einer riesigen Kongresshalle. Am Eingang sind Kontrollen. Wieder einmal genügt unser Gesicht als Pass, die Chinesen müssen ihren Ausweis zeigen. Auf der Bühne agiert eine Popband und „heizt“ die religiöse Stimmung schon mal kräftig an. Ich komme mir vor wie in einer amerikanischen Megachurch. Es sind eher junge Leute, aber hinter uns kommen auch Eltern mit ihren Kindern. Eingangs wird auf die  Angebote der Kirche aufmerksam gemacht. Irgendwo ist ein Sommercamp, wo man seine Teenager hinschicken kann. Dann wechseln Gesänge und Gebete, persönliche Bekenntnisse und gegenseitige Begrüßungen. Die internationale, eher westliche Teilnehmerschar geht leidenschaftlich mit. Die junge Chinesin neben mir ist eher verhalten. Höhepunkt ist die Predigt eines amerikanischen Mennoniten. Er spricht angenehm vernünftig und durchaus humorvoll über den klassischen Missionstext aus der Apostelgeschichte Kapitel 17 „Paulus in Athen“. Die Zitate und manche Kernsätze werden an die Bühnenwand projiziert. Es geht um die Akzeptanz der jeweiligen lokalen Kultur, aber auch ihre Verwandlung durch die Begegnung mit Christus. Wie Paulus den „unbekannten Gott der Athener“ aufnahm, so „können wir an die kulturellen Gegebenheiten des Landes  anknüpfen“. Seine Anspielungen auf die Gegenwart verstehen wohl alle. Er muss nicht konkreter werden. Immer eindrucksvoll ist natürlich eine massive Bekehrung aus dem „Missionsfeld“. In diesem Fall  ist es das „Peacechild“ Jesus in Papua-Guinea. Mit weiterer Lobpreisung und Anbetung geht der Gottesdienst zu Ende.  Anschließend trifft man sich zum Kaffee im Foyer. Dort kann man Bücher kaufen, weitere Informationen erhalten oder sich als Mitglied eintragen und in kleineren Gemeinschaften verabreden.

Wir treffen uns mit unserm evangelischen Kollegen und seiner Frau zu einem Abschiedsessen. Bei herrlichen „dumplings“, die entfernt an schwäbische Maultaschen erinnern, tauschen wir noch einmal unsere Erfahrungen aus. Die beiden werden Anfang August in Wittenberg beim „Gasthaus Ökumene“ der EKD-Auslandsarbeit über  ihre China-Erfahrungen sprechen und diskutieren.

https://r2017.org/nc/weltausstellung/programm/kalender/

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