Afrikaner in China

Schon in Changchun und jetzt erst recht in Peking fallen mir die vielen afrikanischen Studenten an den Universitäten auf. Anscheinend schreckt der asiatische Rassismus sie nicht mehr. Oft bilden sie wie zuhause eigene, eher charismatische Kirchengemeinden. Beamtete Pfarrer brauchen sie nicht. Sie sind – wie fast alle Christen in der nichteuropäischen Welt – gewohnt, ihre Religion selbst zu organisieren.

Eine besonders erstaunliche Persönlichkeit ist Samantha Sibanda aus Zimbabwe. Sie hat sich lange genug über antiafrikanische Vorurteile geärgert, sodass sie in China ein Netzwerk für Wertschätzung Afrikas ( Appreciate Africa Network) gegründet hat.

Ihr Lebenslauf ist atemberaubend: Aufgewachsen in Bulawayo fing sie dort an mit Angestellten eines Chinarestaurants Chinesisch zu lernen. Später belegte sie Kurse am Konfuzius-Institut der Universität Zimbabwe. Von dort wurde sie zu einem Studentenaustausch nach China eingeladen. In dieser Zeit begann sie einen eigenen Handel mit Textilien aus China für einen Laden zuhause. Zwei Jahre später schon zog sie nach Peking als Lehrerin, gab den Job aber auf als sie nur die Hälfte des Salärs ihrer weißen Kollegen bekam. Sie bemerkte auch, dass sie auf Werbematerial nicht vertreten sein durfte und manche Leute sie als Schwarze ablehnten. Nach einem weiteren Aufenthalt in einer spanischen Business School mit üblen rassistischen Erfahrungen und weiteren Studien in England kehrte sie mit etlichen Diplomen (z.B. in Psychologie) nach China zurück. Hier bemerkte sie, dass etliche Afrikaner ihre Herkunft schamvoll verleugnen und sich als Amerikaner ausgeben. Sie unterrichtet in interkulturellen Kursen, wobei sie vielen Landleuten erst einmal das Selbstwertgefühl stärken muss. „Wer sich selber nicht wertschätzt, wird diese nie von andern bekommen.“ So organisiert sie diese Woche den „Africa Asia Awards“, mit dem Leute ausgezeichnet werden, die antiafrikanische Stereotypen abbauen.

Ich finde zwar, dass sie ihre Lobeshymnen für China etwas übertreibt, muss ihr aber glauben, wenn sie sagt: „China hat mich dazu gebracht, mein Land mehr zu lieben als es zuhause der Fall gewesen wäre. Hier habe ich die Kraft gefunden aufzustehen und mutig zu sagen, wo ich herkomme.“

Viele Studenten bekommen Stipendien. Manche schlagen sich aber auch selber durch. So haben wir in einer christlichen Gemeinde für einen angehenden Mediziner gesammelt, damit er seine Examen nach vielen Jahren endlich abschließen kann. Er kam aus Kamerun und will dorthin zurückgehen.

Es ist bekannt, dass China sich verstärkt in Afrika wirtschaftlich engagiert. Die neue „Seidenstraßen-Initiative“ bezieht sich auch auf den afrikanischen Kontinent. Dabei versteckt China die eigenen Interessen nicht. Sehr geschätzt wird von vielen Machthabern, dass sich China nicht in die inneren Angelegenheiten einmischt. Als Anwalt für Menschenrechte wäre es ja auch noch weniger glaubwürdig als die westlichen Staaten. Allerdings kriegt so mancher Potentat schon mal einen Mercedes als Begrüßungsgeschenk für erfolgreiche Verhandlungen. Das hat in China durchaus Tradition.

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