China: In vollen Zügen genießen

Nach Peking fahren wir wieder mit dem Zug. Die Superschnellzüge haben meistens eigene Bahnhöfe, die ziemlich weit draußen liegen. Offenbar sind sie in Serie gebaut worden, da sie alle gleich aussehen. Ich bevorzuge aber die zentralen Bahnhöfe der Innenstadt, um mir stundenlange Taxifahrten zu sparen. Da nehme ich in Kauf, dass wir nur 250 km/h schnell fahren. Das ist eine Geschwindigkeit, bei der man noch aus dem Fenster gucken kann. Allerdings ermüden die endlosen grauen Hochhauslandschaften der Riesenstädte. Wir sind froh, wenn wir endlich die freie Landschaft erreichen, die es gottlob auch noch gibt. Reisfelder wechseln sich mit Gemüsefeldern ab. Hin und wieder rasen wir an einem Dorf vorbei. Der Zug von Dalian nach Peking ist voll, aber jeder findet seinen Platz, da nur Fahrkarten mit Sitzreservierung angeboten werden. Die Passagiere dösen in ihren Sitzen. Da ist in den Lokalzügen weit mehr Leben zu beobachten.

Die neuen Superschnellzüge sind mit Recht Chinas stolz. Ich bin gespannt, wann sie den ICEs der deutschen Bahn Konkurrenz machen. Ihre Güterzüge fahren bereits bis nach Spanien. Der Binnenschiffshafen von Duisburg profitiert schon davon. Die neuen „Seidenstraßen-Initiative“ der chinesischen Regierung wird vor allem die Infrastruktur in Mittelasien weiter ausbauen.

Die neuen „bullet trains“ der dritten Generation bilden einen eigenen chinesischen Standard und erreichen eine Spitzengeschwindigkeit von 400 km/h. Sie werden „rejuvenation“ oder auf chinesisch „fuxing“ genannt. Die Entwicklung scheint mir typisch für die chinesische Industrie zu sein. Die ersten Hochgeschwindigkeitszüge vor zehn Jahren wurden mit deutscher (Siemens!) und japanischer Hilfe gebaut. Die zweite Generation ab 2010 war schon weitgehend selbst entwickelt. Die Züge erreichten bereits 300 km/h. Am 1.Juli geht nun die dritte Generation auf Reisen. Sie wird völlig in China entworfen und gebaut.

Wang Menshu, Parteikader und Professor an der Pekinger Verkehrsuniversität, ist sichtlich stolz: „Peking als Hauptstadt ist Chinas Zentrum. Unser Ziel ist, dass man von Peking aus jede Provinz-Hauptstadt mit dem Zug in maximal acht Stunden erreichen kann. Lhasa in Tibet und das uigurische Urumqi im äußersten Nordwesten ausgenommen: Diese beiden Städte sind schlicht zu weit weg. Und wir wollen auch erreichen, dass man von jeder Provinzhauptstadt aus jede andere in nur acht Stunden erreichen kann. Bis 2020 planen wir das Hochgeschwindigkeitsnetz für Züge mit rund 300 Stundenkilometern auf 16.000 Kilometer auszubauen.“  

Das Problem ist die Ankunft. Nach einer gut temperierten Fahrt landen wir im ziemlich chaotisch-überfüllten Zentralbahnhof von Peking. Die Backhofenhitze legt uns ziemlich lahm. Deswegen lassen wir uns von Schleppern zum Taxi verführen. Als die aber einen undurchschaubaren Streit mit der Fahrerin anfangen und eine unverschämte Summe fordern, springen wir rechtzeitig wieder hinaus und reihen uns in die Warteschlange ein. Wir sind auf dem Weg zum deutschen Pfarrer, der leider weit draußen wohnt und arbeitet. Die Fahrt dauert trotz Stadtautobahnen fast eine Stunde.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s