Unwetter in China

Die Fernsehbilder von dem katastrophalen Erdrutsch  in der Provinz Maoxian haben wohl auch Deutschland erreicht. Es ist rührend, dass sich einige um uns sorgen, weil sie von Unwettern in China gehört oder gelesen haben. Doch China ist groß. (Wenn in Italien ein Erdbeben ist, fällt ja in Hamburg auch kein Ziegel vom Dach.) Tatsächlich kümmert sich bei uns im Norden Chinas niemand darum, was im Süden oder Westen geschieht. Immerhin berichtet die „China Daily“, die sonst nur positive Nachrichten verbreitet, ausführlich über den Erdrutsch im westchinesischen Sichuan. Es stellt dem Land aber kein gutes Zeugnis aus, dass die Helfer nach Verschütteten nicht nur mit Baggern gruben, sondern auch mit bloßen Händen. Noch immer werden mehr als 100 Menschen vermisst,  zehn Tote wurden bestätigt. Rund achtzehn Millionen Kubikmeter Schlamm und Geröll vom Berg Fugui haben das Dorf  Xinmo mit seinen 62 Häusern ausgelöscht. Es regnet dort weiter in Strömen, sodass weitere Katastrophen zu befürchten sind. Die Gegend ist für ihre Erdbeben berüchtigt. 2013 sind 43 Menschen  umgekommen und 118 vermisst.

Die chinesische Zeitung singt ein Loblied auf die mehr als 3000 Helfer, erwähnt aber auch, dass die technische Ausrüstung besser geworden ist. Man setzt jetzt  Sounddetektoren und Drohnen ein. Der Journalist vor Ort Zhang Zhihao beschreibt, wie er selber in eine gefährliche Lage geraten ist, weil der Boden aufgeweicht ist.

Seltsam aus deutscher Sicht mutet an, dass die nationale Regierungsspitze den Rettungsteams Ratschläge gibt. Als ob die nicht vor Ort am besten wüssten, was zu tun ist. Vielleicht ist ein gewisser Paternalismus aber psychologisch wichtig. Man soll spüren, dass die Regierung sich um das Wohl und Wehe kümmert.

Heute  werden drei Experten nach den Konsequenzen gefragt. Der Geologe betont, dass es keinen generellen Schutz in jener Region gibt, man aber durch Vorbeugung mögliche Schäden minimieren kann. Er verlangt ständiges durch Satelliten gestütztes „monitoring“, um rechtzeitig warnen zu können. Der Bergbauingenieur fordert, dass die Baurichtlinien eingehalten werden. Noch immer siedeln zu viele traditionsbestimmt in gefährdeten Regionen. Schließlich betont ein Professor für öffentliche Politik, dass durch die digitale Technologie die Rettungsmannschaften effektiver eingesetzt werden konnten.

Es bleibt eine widersprüchliche Gleichzeitigkeit, wenn einige Regionen unter mächtigen Überschwemmungen und andere unter Trockenheit leiden. China spürt jedenfalls den Klimawandel.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s