Sein wie Gott

Die  Urgeschichte (nach Genesis 3) hat sich immer wiederholt, wenn Menschen wie Gott sein wollten. Sei es, dass ihre Ideologien oder auch Religionen das  Paradies mit Gewalt herstellen wollten und eher eine Hölle geschaffen haben; sei es, dass sie durch Technik und Wissenschaft keine Grenzen mehr anerkennen.

Kein geringerer als Goethe hat diesen Drang in seiner Ambivalenz beschrieben: Mephistopheles in „Faust I“ nennt im Prolog die Schlange, die Adam und Eva versuchte: „meine Muhme (Tante, weibliche Verwandte), die berühmte Schlange“, und sagt einem Studenten, dem er das Bibelzitat „Eritis sicut Deus, scientes bonum et malum“  ins Stammbuch geschrieben hat, nach: „Folg’ nur dem alten Spruch und meiner Muhme der Schlange, / Dir wird gewiss einmal bei deiner Gottähnlichkeit bange!“.

Ich habe eigentlich selten Angst, aber bange wird mir bei einer Erfindung der Menschheit, die man noch vor wenigen Jahrzehnten als bedeutenden Fortschritt bejubelt hat. Das liegt vielleicht daran, dass etwa 10 km von meinem Elternhaus in Stade ein Atomkraftwerk gebaut wurde. Es wird derzeit mit enormen Verlusten wieder abgewrackt.

Das Atomkraftwerk Stade wurde von 1972 bis 2003 an der Elbe betrieben. Es war das erste nach dem Atomausstieg stillgelegte Kraftwerk Deutschlands und befindet sich zurzeit im Rückbau. Das Kraftwerk wurde von der Firma Siemens errichtet, der Bau kostete umgerechnet 150 Mio. Euro. Der Rückbau des Kraftwerks gliederte sich in 5 Phasen, die bis 2015 hätten abgeschlossen sein sollen; der Betreiber veranschlagte im März 2011 hierfür 500 Millionen Euro. Am 27. April 2005 wurden die letzten Brennelemente aus dem Kernkraftwerk abtransportiert. Das Niedersächsische Umweltministerium hat ein Lager mit einer Kapazität von 4.000 Kubikmetern für schwach- und mittelradioaktive Abfälle[ auf dem Kraftwerksgelände bis maximal 2046 genehmigt. Der Rückbau sollte Ende 2014 abgeschlossen sein, doch im selben Jahr waren neue Probleme aufgetaucht: Im Sockelbereich des Reaktorgebäudes wurde radioaktiv kontaminierte Kondensnässe nachgewiesen, die vermutlich aus Leckagen im Primärwasserkreislauf während des Betriebs stammten. Im Bodenbereich waren Werte von bis zu 164 Bq/g gemessen worden. Das Umweltministerium in Hannover kündigte an, dass der Abbau womöglich drei oder vier Jahre länger dauern werde. Im Dezember 2016 schätzt der Betreiber PreussenElektra, dass für den Rückbau rund eine Milliarde Euro aufgewendet werden müsse. Der Rückbau solle bis 2023 dauern.. (nach wikipedia)

In den siebziger Jahren nahm ich an einer Diskussion in der Studentengemeinde teil. Ein rhetorisch begabter Atomphysiker, der den sogenannten „Schnellen Brüter“ betreiben wollte, schwärmte  von dieser angeblich unendlichen Energiequelle. Unsere Einwände wegen des Risikos dieser gefährlichen Technologie leugnete er nicht. Das „hypothetische Restrisiko“ der Atomanlage müsse im höheren Interesse des Fortschritts in Kauf genommen werden. Und dann verstieg sich dieser angeblich nüchterne Wissenschaftler zu der Aussage: Die gewaltigen Anlagen der „schnellen Brüter“  seien für ihn vergleichbar mit den großen Kathedralen der Vergangenheit: weithin sichtbare und bewunderungswürdige Symbole eines modernen Glaubens.(!) Ich fragte mich damals, wer eigentlich der Wissenschaftler und wer der Theologe ist.

Übrigens wurde das Atomkraftwerk Kalkar nie ans Netz gebracht. Bis zu 40000 Demonstranten haben diesen Wahn beendet. Es ist heute ein Vergnügungspark. Und die Milliardenkosten zahlen wir Steuerzahler.

Noch schlimmer finde ich die neuen Pläne, völlig sinnlos die Atombombenproduktion wieder anzukurbeln. Leider gibt es sowieso schon viel zu viele davon. Trotz Nobelpreis ist Präsident Obama nur eine geringe Reduzierung gelungen. Jetzt will Präsident Trump wieder atomar aufrüsten . Wissen Sie, wie viele Atombomben derzeit bereit liegen? 100? 200? Es sind ca. 15385, wobei sich Russland und die USA etwa je 7000 „teilen“. (Das „böse“ Nordkorea hat „nur“ 10.)

Wann, wenn nicht in der Passionszeit gilt die Verantwortung,  sich ernsthafte Gedanken zu machen? Wo ist unsere Versuchung, Gott gleich zu sein?

(aus meiner heutigen Predigt über 1. Mose Kapitel 3 )

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