Weltethos-Rede

Das von Hans Küng begründete verdienstvolle „Weltethos-Institut“ arbeitet weiter und hat jüngst die Tradition der „Weltethos-Reden“ wieder aufgenommen. Da kommen die Spitzen der Gesellschaft (Unternehmer, Professoren, Abgeordnete etc.) im Festsaal der Universität zusammen. Der württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat gesprochen zum Thema „Was uns zusammenhält“. Er sagte u.a. :
„Ich kann uns nur raten, uns an den Grundwerten und dem Menschenbild unserer Verfassung zu orientieren. Und darüber hinaus an den Kernwerten, wie sie das Parlament der Weltreligionen beschrieben hat: Menschlichkeit, Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und – ja, auch die gleichberechtigte Partnerschaft von Mann und Frau.
Dort heißt es auch: „Wir betrachten die Menschheit als unsere Familie“. Anders gesagt: Es geht um Zusammenhalt, ein Kernbedürfnis menschlichen Lebens – Zusammenhalt von Familie, von Freunden, in Vereinen, in der Kirche, selbst in Parteien, Zusammenhalt der Gesellschaft. Wir alle suchen Zusammenhalt.“
Schöne Worte. So ähnlich haben hier schon Tony Blair und Helmut Schmidt gesprochen. Aber dann ganz anders gehandelt. Das sollte einen skeptisch stimmen.
Konkreter wurde Kretschmann, als er wie schon öfter über die Rolle der Religionen sprach. So weit ich sehe, ist über diese Passage in den Medien kaum berichtet worden.

„Über den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und zwischen den Völkern zu spre-

chen, ohne einen Blick auf die Rolle der Religionen zu werfen, ist nicht möglich.

Religionen haben eine starke gesellschaftliche, weltverändernde Kraft. Das zeigt nicht

Zuletzt der Blick auf die Reformation, deren 500-jähriges Jubiläum wir in diesem Jahr

begehen, und auf ihre Errungenschaften, die bis in unsere Gegenwart hineinwirken.

Aber es wäre naiv zu behaupten, die Präsenz des Religiösen würde an sich schon

zum Zusammenhalt in unserer Gesellschaft beitragen. Religionen können in den

Fundamentalismus und den Fanatismus abgleiten. Deshalb müssen wir als Staat

und als ganze Gesellschaft mit Entschiedenheit gegen diejenigen vorgehen, die die

Religion für ihre Zwecke missbrauchen und im Namen einer Religion Hass, Gewalt

und Terror praktizieren.

Eine solche Entschiedenheit erwarte ich auch von den Religionsgemeinschaften sel-

ber. Denn unsere Gesellschaft braucht zwar die Religionen; sie braucht aber nicht ihr

verblendetes und entstelltes Zerrbild. Sie dürfen in ihrer Lehre und in ihren Reihen

keinen Fanatismus und keine Gewalt dulden und müssen sich von solchen Strömun-

gen reinigen.

Wenn die Religionen dies tun, dann schaffen sie einen kulturellen Mehrwert, der nur

ihnen zu eigen ist. Dann kann auch Zusammenhalt trotz religiöser Vielfalt gelingen.

Denn die Religionen erinnern uns daran, dass es in unserem Leben noch etwas

Größeres gibt. Das Religiöse überschreitet unsere Fixierung auf das Hier und Jetzt.

Die Religionen halten uns damit –wie die Philosophin Jeanne Hersch sagt – den

„Sinn für den Sinn“ wach.

In den Kirchen und Religionsgemeinschaften schließen sich Menschen zusammen,

die an etwas glauben, die gemeinsame Werte und Ideale haben, die sich miteinander

für ihre Überzeugungen einsetzen und diese leben. Sie fördern also Verbindlichkeit

und Identifikation mit dem Ganzen. Mit ihren Gemeinschaften und Gemeinden, ihren

Verbänden und Hilfswerken sind sie tragende Säulen unserer Zivilgesellschaft. Sie

erhöhen die soziale Temperatur im Land. Gerade in der Flüchtlingsdebatte können

wir dies immer wieder spüren.“

http://media.badische-zeitung.de/pdf/Weltethos-Rede.pdf

Nur schöne Worte?

In der gleichen Woche wurde bekannt, dass eine Pforzheimer Firma wie manche andere in Baden-Württemberg Waffen in Spannungsgebiete exportiert. Rüstungsgegner erheben schwere Vorwürfe gegen dasUnternehmen, das eine Maschine zur Herstellung von Gewehrläufen nach Mexiko exportieren will. „Für diese Ausfuhr gibt es keine Genehmigung der zuständigen Behörde“, erklärt der Tübinger Anwalt Holger Rothbauer. Deshalb sei der Export in das von schweren Menschenrechtsverletzungen gezeichnete Land illegal.“

Sicherlich ist für solche Waffenexporte die Bundesregierung zuständig und nicht die Landesregierung. Ich würde aber doch gern wissen, wie Ministerpräsident Kretschmann solche Zustände mit seiner Rede vereinbart.

 

 

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