Kommunion

Kurzfristig übernehme ich am 3. Adventssonntag eine Krankheitsvertretung in einem ökumenischen Gottesdienst. In unserm Dorf werden die künftigen Kommunionkinder und Konfirmanden („Konfi 3“) gemeinsam vorgestellt und begrüßt. Verschiedene Frauen haben die Liturgie wunderbar vorbereitet. Die Kleinen bekommen ein Kreuz umgehängt, ihre Kerzen werden angezündet, einige tragen Gebete vor. Unser Dorf hat eine besondere ökumenische Tradition. Ich finde schön, dass die Kinder in diesem Alter zusammen unterrichtet werden.

Den neuen Priester kenne ich noch nicht. Dummerweise frage ich ihn, wie ich mich bei der Kommunion verhalten soll. Schon vor Jahren hat mich ein Domherr vor aller Augen zum Konzelebranten gemacht. Doch die Zeiten haben sich geändert. Meine Frage macht ihn verlegen, zumal noch ein indischer Mönch dabei ist. Jetzt gilt das katholische Kirchenrecht. So stelle ich mich hinter die Ministranten. Mir macht das nichts aus. Für mich ist sowieso die Predigt wichtiger.

Aber am gleichen Tag lese ich eine Meldung aus Rom die mich doch provoziert:

Kardinal Kasper hofft in absehbarer Zeit auf ein gemeinsames Abendmahl für gemischt konfessionelle Paare.“ Und die andern? Wann endlich?

Papst Franziskus hatte im November 2015 mit Blick auf ein gemeinsames Abendmahl von gemischt konfessionellen Paaren gesagt, er könne keine Erlaubnis dazu geben, weil ihm die Kompetenz (?!) hierfür fehle. Zugleich deutete er jedoch an, dass die Paare selbst vor ihrem Gewissen eine Entscheidung treffen müssten. Das Leben sei größer als Interpretationen und Erklärungen, so der Papst beim Besuch der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde Roms. „Beziehen Sie sich immer auf die Taufe: ‚Ein Glaube, eine Taufe, ein Herr‘, so sagt uns Paulus – und daraus ziehen Sie die Konsequenzen. Sprecht mit dem Herrn und geht weiter. Mehr wage ich nicht zu sagen.“

Ich erinnere mich an eine peinliche Szene in einer katholischen Messe in China. Unsere konfessionell gemischte Gruppe stand brav in einer Reihe. Alle wurden gefragt, ob sie katholisch seien. Wer es verneinte, musste sich gleich wieder setzen. Ich habe die Frage guten Gewissens bejaht und meine Oblate bekommen. Aber „römisch“ werde ich nie.

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