Bachtyar Ali

Als unsere Evangelische Akademie noch politisch risikofreudig war, veranstaltete sie etliche Tagungen mit und über Kurden. Die haben sogar in Bad Boll einen Gewaltverzicht für Deutschland erklärt. Immer gab es nach den Debatten abends ein anspruchsvolles Kulturprogramm. So habe ich viele kurdische Traditionen kennengelernt.

Daran musste ich denken, als ich an einer Dichterlesung im Berner „Haus der Religionen“ teilnehme. Vgl. https://www.haus-der-religionen.ch.

Der in Deutschland noch kaum bekannte kurdische Schriftsteller Bachtyar Ali liest aus seinem Roman „Der letzte Granatapfel“. Genauer gesagt: Er lässt lesen. Obwohl er gut deutsch spricht, begnügt er sich mit Kommentaren und der folgenden  allgemeinen Diskussion.

„An Bord eines Bootes, das ihn zusammen mit anderen Flüchtlingen in den Westen bringen soll, erzählt Muzafari Subhdam seine Geschichte. Selbst ein hochrangiger Peschmerga, rettete er dem legendären kurdischen Revolutionsführer einst das Leben, als sie von Truppen des Regimes umstellt waren. Er aber geriet in 21-jährige Gefangenschaft, mitten in der Wüste. Wieder in Freiheit, begibt er sich auf eine Reise durch das, was aus seinem Land geworden ist. Eine Reise durch Geschichten, Geheimnisse und zu Personen, die ihm dabei helfen, seinen verschollenen Sohn zu finden. Eine Reise, die ihn schließlich auf den Weg führt, den Tausende schon vor ihm genommen haben: übers Mittelmeer in den Westen.“

Dieser Roman von scharfer Aktualität und berückender Poesie erzählt von verwunschenen Schlössern, von Bienenschwärmen und Honigsammlern, von Kindern auf Schlachtfeldern, von den weißen Schwestern, die mit ihren Liedern den Bazar verzaubern, von Freiheitskämpfern, die zu Fürsten werden, von Seelen in schwarzer Trauer – und von einem Jungen mit Namen Glasherz, der von einer Welt träumt, in der alles durchsichtig und rein ist.

Das „Haus der Religionen“ in Bern wird von Besuchergruppen schier überrollt. So haben sich die Stadtgärtner angesagt, die interreligiöse Anregungen für die Gestaltung ihrer Friedhöfe suchen.

Wichtiger sind aber sicherlich die Begegnungen der verschiedenen religiösen Gruppen untereinander. So erzählte man mir, dass hier erstmals ein Rabbiner mit einem Imam Freundschaft geschlossen habe. Zwei Vertreter traditionell feindlich eingestellter Religionen aus Sri Lanka (Tamilen bzw. Buddhisten) wollen nun dort ein ähnliches Haus der religiösen Versöhnung aufbauen.

Das Erfolgsrezept ist wohl darin zu sehen, dass kooperationswillige Gruppen nicht nur eine religiöse Heimat gefunden haben mit eigenen Kulträumen, sondern viele Veranstaltungen „querbeet“ verlocken. So gab es an diesem Abend erst einmal ein Essen, das Aleviten zubereitet haben.

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