Weihnachten in China

Nicht der Weihnachtsmarkt zog uns nach Stuttgart, sondern der „Arbeitskreis Ostasien“ der Württembergischen Arbeitsgemeinschaft für Weltmission. Mich interessieren Berichte aus China. Man könnte fast die junge Generation – „ich heiße Lisa!“ – beneiden, die gleich nach dem Abitur in einem chinesischen Gymnasium englisch unterrichten darf. Genau!
Bilder aus Nordchina finden meine besondere Aufmerksamkeit. Aber wirklich überrascht bin ich von einem Arzt, der fünfzehn Jahre in China gearbeitet hat. „Mission“ ist für ihn kein Schimpfwort. Seine eher evangelikale Theologie gestehe ich einem „Laien“ zu, aber ungemein beeindruckt bin ich von seiner Lebensweise. Er erzählt:
Eine christliche Familie als Fachkraft in China. Mission ist nicht erlaubt. Wie also Weihnachten feiern und von Jesus reden, der mir so wichtig ist?
Es klopfte an der Tür. Dreimal. Wer mochte das sein? Die Polizei? Es war Heilig Abend und wir hatten Bauernfamilien aus den Bergen eingeladen. War das verboten?
Wir lebten als christliche Fachkräfte in einer „creative access nation“, d.h. einem Land, das keine Missionare erlaubt, doch offen ist für Christen, die sich in ihrem Beruf einbringen.
Wie also von dem reden, was uns so wertvoll ist? Das braucht Phantasie, Kreativität und Liebe. Die Weihnachtszeit eignet sich dafür besonders gut, denn alle Kulturen feiern gerne Feste. „Wie feiert ihr eigentlich Weihnachten?“
Schon an den Adventswochenenden kamen die Klassenkameraden unserer Kinder zum Basteln und Backen, Singen und Spielen. So wuchs die Neugier auf die große Feier. Die war so beliebt, dass wir das Wohnzimmer leer räumen und Tickets ausgeben mussten, damit man sich vor lauter kleinen und großen Gästen überhaupt noch bewegen konnte.
Die Weihnachtsgeschichte wurde gespielt. Die Kinder sangen Stille Nacht für ihre Mütter in Englisch und Chinesisch und verschenkten selbst gebackene Weihnachtsplätzchen. Auf die Frage „Was feiern wir heute?“ kam es wie aus einem Mund: „Jesu Geburtstag.“ Und dann wurde „Happy birthday to you“ angestimmt.
Nein, nicht die Polizei hatte angeklopft, sondern drei neugierige Ärzte. “Kommt rein!“ – „Heute haben wir zum ersten Mal die Bedeutung von Weihnachten gehört,“ verabschiedeten sie sich später.
Weihnachten ist nur einmal im Jahr. Die restlichen elf Monate gilt Jesu Rat: „Lasst Euer Licht leuchten vor den Menschen, so dass sie eure guten Taten sehen und den Vater im Himmel preisen.“ (Mt. 5,16)“
Der Arzt findet: „Dein Leben ist die Botschaft“. Er kennt nicht Richard Wilhelm, sondern zitiert  Hudson Taylor http://www.christian-history.org/hudson-taylor.html.
„Dein Leben ist die Botschaft“ finde ich eine steile These, die zur Überforderung führen kann. Andererseits kenne ich in meiner Zunft genügend „Berufschristen“, denen man keinerlei Berufung mehr anmerkt. Und sein Vortrag imponiert mir mehr als die Papiere und Schriften, die an dem Tag auch noch besprochen werden.

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