Pazifismus in Syrien?

Im Rahmen einer Gemeindediskussion über den Pazifismus Bonhoeffers von 1934 (Rede von Fanö) wies ich darauf hin, dass Dietrich Bonhoeffer keine Prinzipien aufgestellt hat, sondern im Gegenteil immer wieder aktuell nach dem jeweiligen Gebot Gottes fragt. So hat er nach Kriegsbeginn 1939 eben nicht den Kriegsdienst verweigert, sondern am Widerstand gegen das Hitler-Regime mitgearbeitet. Frage aus der Gemeinde: „Was ist das Gebot heute im Syrienkrieg?“  Sicher nicht, durch weitere Bomben den Krieg zu verlängern. Derzeit kann man sich aber als Kirche nur caritativ einbringen. (Vielleicht hätte man  früher auf die Erfahrungen der Christen hören sollen, die  notgedrungen „pazifistisch“ leiden, weil sie keine Milizen haben, die sie verteidigen.) Über verschiedene Kanäle, wie das GAW-Hilfswerk, erhalten wir ziemlich authentische Informationen.

„Aleppo, eine der wichtigsten Städte Syriens und ein wirtschaftliches Zentrum, hat sich in dem fünf Jahre andauernden Krieg in einen der gewaltvollsten Orte der Welt verwandelt. Die Stadt ist für die verschiedenen Kriegsparteien von entscheidender Bedeutung. Hier entscheidet sich der Krieg!“, schreibt Pfarrer Haroutune Selimian von der armenisch-evangelischen Bethelkirchengemeinde in Aleppo. „Inzwischen gibt es kaum noch einen sicheren Ort in unserer Stadt. Am 9. Oktober schlug in den Räumen unserer Bethel-Schule eine Rakete ein. Mein Schlafzimmer ist 30 Meter von dem Schulgebäude entfernt“, schreibt Selimian. „Es gab zum Glück nur materielle Schäden und niemand ist verletzt worden – nur die Angst vor weiteren Angriffen ist da. Ununterbrochen hören wir den Kriegslärm.“

Die Stadt, die ich vor dem Krieg öfter besucht habe,  ist in Ost- und Westteil gespalten. Während die Regierungsseite mit Unterstützung der russischen Luftwaffe den Ostteil der Stadt massiv angreift, erfährt der Westteil der Stadt, wo u.a. die armenisch-evangelische Kirche steht, Raketeneinschläge von der Seite verschiedener Rebellen.

So wird das Leben immer schwieriger. Ohne Hilfe von außen geht es nicht mehr. Die Menschen in Syrien leiden unabhängig von ihrem Glauben oder nationaler Zugehörigkeit unter Isolation und Unsicherheit, Verarmung, psychische Belastungen. Es gibt kaum Arbeit, während die Lebensmittel- und Treibstoffpreise enorm gestiegen sind.

„Mit Hilfe des Gustav-Adolf-Werks (GAW) haben wir die Schäden an der Schule und der Kirche in Aleppo beseitigen können. Zudem haben Schüler und bedürftige Familien Hilfe bekommen.“

Dank Spenden aus Deutschland, die das GAW übermittelte, konnte die Gemeinde von Haroutune Selimian in Aleppo 200 Familien mit Essensrationen versorgen (80 US-Dollar pro Paket), für die Schule zum Heizen und für Stromerzeugung Heizöl  kaufen (3.500 Dollar), Lehrergehälter unterstützen (3.200 Dollar), Stipendien für Schüler ermöglichen (7.000 Dollar), die Kirche und die Schule reparieren (1.500 Dollar) und 250 Familien die Bezahlung von Strom ermöglichen (7.500 Dollar).

Einen Bericht von Pfarrer Karijilis aus Homs findet man in den Informationen des GAW: .http://www.gustav-adolf-werk.de/tl_files/ga-blatt-archiv-2/Blatt4_16_S.8-9.pdf

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