Zur Friedensdekade 2016

Heute ist der Todestag (1632) des schwedischen Königs Gustav II. Adolf. Er fiel in der Schlacht von Lützen im 30jährigen Krieg. Natürlich ging es in diesem Krieg wie immer vor allem um politische Macht. Aber der Krieg wurde befeuert durch die religiösen Emotionen. Er ging letztlich durch gegenseitige Ausblutung zu Ende. Das Evangelium kam dabei unter die Räder.

Was hätte sich geändert, wenn man auf einen Theologen wie Erasmus von Rotterdam gehört hätte, der auch schon zur Reformationszeit seine Stimme erhob, aber von Evangelischen und Katholiken gleichermaßen abgelehnt wurde.

1515 hatte er die erste Antikriegsschrift der Neuzeit veröffentlicht: „Süß scheint der Krieg den Unerfahrenen“:

Der Krieg wird aus dem Krieg erzeugt, aus einem Scheinkrieg entsteht ein offener, aus einem winzigen der gewaltigste […] Wo denn ist das Reich des Teufels, wenn es nicht im Krieg ist? Warum schleppen wir Christus hierhin, zu dem der Krieg noch weniger passt als ein Hurenhaus? So mögen wir Krieg und Frieden, die zugleich elendeste und verbrecherischste Sache vergleichen, und es wird vollends klar werden, ein wie großer Wahnsinn es sei, mit so viel Tumult, so viel Strapazen, so einem großen Kostenaufwand, unter höchster Gefahr und so vielen Verlusten Krieg zu veranstalten, obwohl um ein viel geringeres die Eintracht erkauft werden könnte.

Die Klage des Friedens (lateinisch Querela Pacis) gilt als die pazifistische Hauptschrift des Erasmus von Rotterdam, die er 1517 anlässlich einer geplanten Friedenskonferenz zu der alle Herrscher Europas zu einem ‚Gipfeltreffen‘ geladen waren, geschrieben hat:

Vom größten Teil des Volkes wird der Krieg verflucht, man betet um Frieden. Einige wenige nur, deren gottloses Glück vom allgemeinen Unglück abhängt, wünschen den Krieg. Beurteilt selbst, ob es recht und billig sei oder nicht, dass deren Unredlichkeit mehr gilt als der Wille aller Guten. Ihr seht, bis jetzt ist nichts durch Bündnisse zustande gebracht, nichts durch Verschwägerung gefördert, nichts durch Gewalt, nichts durch Rachenahme. Stellt nun dagegen auf die Probe, was Versöhnlichkeit und Wohltätigkeit vermögen. Krieg wird aus Krieg gesät, Rache verursacht wieder Rache […]

Und einen Satz nehme ich für uns alle in Anspruch: Zeigt, was Sanftmut, Verträglichkeit und Wohltun vermögen!

(aus meiner heutigen Predigt in der Albert-Schweitzer-Kirche Tübingen)

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