Auf der Donau (4): Bratislava

Wir kehren um und fahren mit der „Select Explorer“ nach Bratislava. Die Stadt ist die einzige Station unserer Reise, die ich noch gar nicht kenne. https://www.visitbratislava.com/de.

Die Altstadt ist überschaubar klein und noch nicht überall restauriert. Viele kleine originelle Läden fallen mir auf. Noch hat die Globalisierung nicht mit voller Wucht zugeschlagen. Donauabwärts allerdings macht sich eine shopping-mall breit wie man sie überall finden kann.

In der Stadt gibt es viele Hochschulen, weshalb erfreulich viele junge Leute die Cafés bevölkern. Eine deutsche Medizinstudentin erzählt uns, dass sie hier viel billiger als in Deutschland studieren kann. Viele bleiben offenbar auch nach dem Examen gleich da.

Der Medizintourismus spielt in Bratislava eine bedeutende Rolle. Über 3.000 Patienten pro Jahr kommen allein nur für Augenoperationen. Attraktiv ist Bratislava mit seinen zahlreichen Kliniken, die deutschsprachigen Service bieten, wegen niedriger Kosten und hohem Standard, insbesondere im Bereich  chirurgische Brustplastiken und Zahnbehandlungen.

Ich muss zugeben, dass die Slowakei für mich bisher ein „weißer Fleck“ war. Ich habe nicht einmal wahrgenommen, dass die Regierung am 1.Juli den EU-Ratsvorsitz übernommen hat. Wer kennt schon den slowakischen Staatspräsidenten Andrej Kiska und den Ministerpräsidenten Róbert Fico?

Wer die Geschichte der Slowakei studiert und ihre gegenwärtige labile Lage sieht, versteht besser, dass man noch um die eigene Identität kämpft und nicht geneigt ist, in größeren Zahlen Migranten aufzunehmen.

Die kirchliche Situation ist mir ein wenig durch das Gustav-Adolf-Werk bekannt. Mit dem leitenden evangelischen Bischof Milos Klatik bin ich vor einigen Jahren durch die Ukraine gereist. Er ist in Württemberg gut bekannt und hat jüngst auf dem Pfarrertag in Stuttgart die Morgenandacht gehalten. Vgl. http://www.evangelische.sk.

Schon seit den 1520er Jahren wurden die Gedanken der Reformation im Gebiet der heutigen Slowakei verbreitet. In der Mitte des 16. Jahrhunderts war die Mehrheit der Bevölkerung, besonders in den großenteils deutschsprachigen Städten, lutherisch. Mit etwa 370.000 Mitgliedern (ca. 7 % der Bevölkerung) ist die Evangelische Kirche  nach der römisch-katholischen die zweitgrößte der Slowakei. Sie hat derzeit 326 Gemeinden und 657 Kirchenbauten und etwa 355 aktive Pfarrerinnen (!) und Pfarrer.

Leider reicht die Zeit nicht für weitere Erkundungen. Das ist ja ein ständiges Manko unserer Flussreise. Zwar legen wir noch in Dürnstein an, aber an vielen reizvollen Landschaften rauschen wir nachts vorbei. So auch hinter Linz an jenem Strand, wo ich als Jugendlicher geschwommen bin. Ich habe damals in einem internationalen workcamp mit anderen 16jährigen einen Kriegsfriedhof in Ordnung gebracht. Damals habe ich sehnsüchtig den Donauschiffen nachgeschaut.

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