Auf der grauen Donau (2): Wien

 

Was macht man mit einer Kurzvisite in Wien? Freunde besuchen, Kunst und Kirche?

Jedenfalls verlassen wir schnell die obligatorische Stadtrundfahrt mit ihrem ewigen Sissi-Quark. Schade, dass Reiseführer die Leute so unterschätzen und nur die Vergangenheit umrühren.

Wir nehmen uns das Belvedere vor, wo man der eben genannten Kaiserin zwar auch begegnet, aber doch wenigstens zum Kuss von Gustav Klimt ausweichen kann. Meine Frage, wieso ein General – das nur war der Prinz Eugen eigentlich – sich so einen (auch noch zweifachen)Palast bauen kann, bleibt leider unbeantwortet. War es Erbe, war es Beute? Offenkundig war der Krieg gegen die Türken lukrativ. Vgl. http://www.belvedere.at.

Jedenfalls scheint die Abwehr der Türken noch heute ein Komplex in Österreich zu sein, wenn man sich den gegenwärtigen Wahlkampf zum Präsidentenamt ansieht. Bekanntlich muss die Farce wiederholt werden. Am 4. Dezember ist es dann so weit. Der FPÖ-Kandidat Norbert Hofer provoziert mit dem Slogan „So wahr mir Gott helfe“.Diesen Satz will Hofer auch als Gelöbnisformel verwenden.

Warum er sich auf seinen Plakaten auf Gott berufe, beantwortete Hofer, der zur evangelischen Kirche übergetreten ist: „Zunächst schätzte ich die katholische Kirche sehr, meine Kinder sind katholisch, meine Frau ist katholisch.“ Er sei evangelisch geworden, da dort auch Frauen das Priesteramt ausüben könnten. Die evangelischen Kirchen Österreichs scheinen aber nicht sehr glücklich über dieses Bekenntnis.

„Gott lässt sich nicht für eigene Absichten oder politische Zwecke instrumentalisieren“, hieß es in einer Stellungnahme von Bischof Michael Bünker (Evangelische Kirche nach Augsburger Bekenntnis), Landessuperintendent Thomas Hennefeld (Evangelische Kirche nach Helvetischem Bekenntnis) und Superintendent Stefan Schröckenfuchs (Evangelisch-methodistische Kirche). Selbstverständlich sei es „gutes Recht eines jeden Christenmenschen“, sich öffentlich zum Glauben zu bekennen und sich mit der Bitte um Hilfe an Gott zu wenden. „Wir lehnen es jedoch ab, Gott für Wahlkampagnen zu bemühen“, so die Repräsentanten der Evangelischen.

Sie wenden sich gegen eine Instrumentalisierung Gottes für eigene Absichten oder politische Zwecke. Der Gott der Bibel sei kein „christlich-abendländischer“, sondern ein universaler Gott, der Partei ergreife für schwache, arme und notleidende Menschen. Aus diesem Gottesverständnis resultierten der Einsatz und eine besondere Verantwortung auch für alle Schwachen in der heutigen Gesellschaft. Dazu zählen, so die Evangelischen Kirchen, „heute ganz besonders auch Flüchtlinge und Fremde“.

„Gott für die eigenen politischen Interessen einzuspannen und ihn in Verbindung mit dem Hinweis auf das christliche Abendland zumindest indirekt als Kampfansage gegen andere Religionen und Kulturen einzusetzen, erachten wir als Missbrauch seines Namens und der Religion“, hieß es in der Stellungnahme weiter.

Hofers Kontrahent im Kampf um das Amt, Alexander Van der Bellen, reagierte mit seinem eigenen Glaubensbekenntnis. Dieses liege im überparteilichen Dienst an Österreich, meinte er bei der Präsentation seiner Wahlplakate. „Österreich dienen – und keiner Partei“ lautet einer der Slogans, den der frühere Parteichef der Grünen als „mein Credo als Bundespräsident“ bezeichnete.

Aus deutscher Sicht ist man fast neidisch, dass es in Österreich einen richtigen Wahlkampf gibt, so unappetitlich der auch sein mag. So werden Positionen und Bekenntnisse wenigstens debattiert. In Deutschland wird das Amt des Bundespräsidenten vermutlich wieder ausgekungelt.

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