Auf der grauen Donau (1): Melk

Die letzte Flussfahrt haben wir auf dem Mekong erlebt. Recht abenteuerlich. Auf unserer Last-Minute-Donaufahrt ist nur die Bahnreise abenteuerlich. Statt 13.36 Uhr kommen wir wegen eines Unglücks bei München in Passau Hbf.16.55 Uhr an nach einem Umweg über Mühldorf. Südostbayrische Bummelbahn. Andere nehmen panisch ein Taxi von München, denn vernünftige Auskunft gibt die Bahn nicht. Wir hasten endlich im Schweinsgalopp zum Kai, denn um 17 Uhr legt unser Schiff ab. Wir wollen dem grauen Oktober für ein paar Tage entkommen. Das gelingt nur mäßig. Auf dem „Sonnendeck“ fehlt meistens die Sonne. Ansonsten sind wir gut versorgt mit „4- oder 5- Gänge Menüs, die schon mal zwei Stunden dauern können.

Am nächsten Morgen landen wir in Melk, dessen Stift wir besichtigen. Mit gemischten Gefühlen und zu wenig Zeit spazieren wir durch die barocke Anlage, ein Höhepunkt katholischer Macht- und Prachtentfaltung. Siehe : www.stiftmelk.at.

Unser Fahrplan lässt nur eine Stippvisite zu. Das Klostermuseum ist sehr geschickt aufgebaut und die Führung durch eine Historikerin für Anfänger gut geeignet. Ich wäre natürlich gern viel langsamer gegangen, insbesondere durch die Bibliothek.

„Das Besondere an einer Bibliothek wie der Melker Stiftsbibliothek ist, dass eine durch Jahrhunderte hindurch gewachsene Sammlung von Büchern in einem Ambiente präsentiert wird, das der historischen Bedeutung dieser Sammlung entspricht. Wer den barocken Bibliothekssaal betritt, staunt über die sich ihm darbietende Pracht, die Fülle an einheitlich gebundenen Bänden, die sich harmonisch in das Farbenspiel und die Architektur des Raumes einfügen. Er weiß spontan, hier geht es um Kostbares, um eine Welt von Büchern, die gelesen und benützt werden will, die zugleich aber dem Besucher und Benützer bedeutet, mit der gebührenden Ehrfurcht ans Werk zu gehen. Man könnte sagen, die barocke Bibliothek inszeniert sich selbst. Sie weckt Lust zum Lesen und fordert Respekt ein. Sie stellt zur Schau und entzieht das Geschaute doch zugleich dem unmittelbaren Zugriff.“

Man kommt in Zeiten der Reformationsjubiläen ins Grübeln, ob nicht die Klöster für die Zivilisation und Bildung Europas einen größeren Beitrag geleistet haben. Allerdings scheint das Geschichte zu sein. Über die gegenwärtige Arbeit der Mönche erfährt man wenig. Das enorme Kulturprogramm unterscheidet sichn wenig von anderen Anbietern. Die Mönche scheinen  ziemlich „freigeistig“ zu sein, haben sie doch einmal zum Ärger der Konservativen den „Ketzer“ Eugen Drewermann zu Exerzitien eingeladen. Der Abt hingegen wirkt reichlich autoritär, hiesige Klosterschüler vermelden wenig Gutes.

Ich erinnere mich, dass Dietrich Bonhoeffer im Kirchenkampf seinem Bruder schrieb: „Die Restauration (!) der Kirche kommt gewiß aus einer Art neuen Mönchtums, das mit dem alten nur die Kompromisslosigkeit eines Lebens nach der Bergpredigt in der Nachfolge Christi gemeinsam hat.“

Die Stadt Melk haben wir früher einmal besucht. Jetzt muss ein Blick aus der Höhe genügen. Es gibt dort immerhin auch eine Evangelische Kirchengemeinde mit einem bescheidenen Kirchlein.. http://www.evang-melk-scheibbs.at.

Wie mag es um die Ökumene stehen, wenn schon äußerlich der Unterschied  der Konfessionen so krass ist? Ich würde gern mehr erfahren, denn die Krise der Kirche ist nicht zu übersehen. Leider taugt die Bibliothek an Bord nichts. Der mitreisende Priester, ein leutseliger Mecklenburger,  stammt aus Rostock und hat von Österreichs Katholizismus wenig Ahnung. Ich habe aber keine Lust, mit ihm hier über die Kirche in der DDR zu diskutieren. Den meisten Mitreisenden genügt die knappe Bordinformation. Sie hören lieber dem ungarischen Alleinunterhalter zu.

Nachmittags genießen wir die Wachau mit ihren Weinbergen, Burgen und Dörfern am Ufer. Nach etlichen Schleusen landen wir spät  in Wien-Nußdorf, wo man schon die Bürgersteige hochklappt. Auf der Suche nach Internet, das auf dem Schiff nicht funktioniert, werde ich im Vorraum der Austria-Bank fündig.

 

 

 

 

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