Tansania (7): Konde

Wir verlassen Mbeya über den Poroto-Pass und kommen in ein Gebiet, das die ersten Missionare “Kondeland” genannt haben. Ich kenne es recht gut, denn hier habe ich in vielen Gemeinden gepredigt, meine Studenten zuhause besucht oder bei Praktika begleitet. Das südwestliche Hochland ist eine der schönsten Landschaften Tansanias. Während wir auf der jetzt guten Straße nach Süden schnell vorankommen, laufen in meinem Kopf frühere Erlebnisse wie alte Filme ab. So denke ich an eine Wanderung durch den Regenwald zum Ngozi-Kratersee, der rechts von uns liegt. Der Anblick war unwirklich: Ein kreisrunder See mit einer geheimnisvollen Färbung. Dann der Kiwira-Fluss, der durch eine Naturbrücke (daraja la mungu) sich den Weg bahnt. Unweit liegt das katholische Hospital Igogwe, dessen holländischer Arzt nach einer seltsamen Herzerkrankung vorzeitig heimfliegen musste. Selbst Europäer sprachen von Schadzauber (uchawi), da er mächtigen Leuten ins Gehege gekommen war. Linkerhand kommt Rungwe am Fuße des gleichnamigen Berges. Dort siedelten die ersten Missionare, weil am Njassasee die Malariaplage zu groß war. Die mussten ja über den See einreisen, weil es keine  Straße nach Daressalam gab.

Es ist übrigens Unsinn, was im Loose-Reiseführer „Tansania“ S.145 steht, dass die Religionen kein Interesse daran haben, tradiertes Wissen zu erhalten. Einer der Pioniermissionare der Herrnhuter war Theodor Meyer, der 1891 – 1916 als Präses der Brüdergemeine gearbeitet hat. Seine ethnologischen Forschungen „Die Konde“ sind 1989 im Klaus Renner Verlag erschienen. Damit auch die Tansanier ihre Vorfahren besser verstehen, hat eine Kollegin von uns den Band ins Swahili übersetzt. Heute nennen wir diese Leute „wanyakyusa“. Die Lektüre war für mich als Dozent hilfreich, um meine Studenten zu verstehen, wenn es etwa heißt, dass junge Männer nicht arbeiten sondern „stolz wie Hähne daherschreiten“ sollen.

Diese Pioniermissionare, die in Deutschland selbst bei Theologen vergessen sind, stehen in Tansania in höchstem Ansehen. Sie haben sich oft als Verteidiger der Rechte der Einheimischen gegen die Kolonialverwaltung gestellt, die in Afrikanern nur billige Arbeitskräfte sahen.

Rungwe ist noch immer Hauptort einer „Unitätsprovinz“ der Moravian Church mit einem bemerkenswerten Museum.

Dann kommen wir nach Tukuyu, das früher Neu Langenburg hieß. Es ist alles dichter bebaut, das Land wird knapp. Rechterhand liegt Lutengano, wo wir seinerzeit oft Freunde besucht haben. Es ist ein ziemliches Regenloch. Die Bibelschule (jetzt: College) wird von ehemaligen Studenten von mir geleitet. Einer unserer Vorgänger, Dieter Zellweger aus Basel, hat darüber jüngst einen schönen Bericht geschrieben. Man findet ihn wie auch ein Interview mit Studenten unter www.herrnhuter-missionshilfe.de/laender/tansania/.

Unsere Fahrt geht weiter an den Teeplantagen vorbei. Dann fällt die Straße plötzlich ab zu der Senke, die der See ausfüllt. Es wird heiß! Früher sind wir oft rechts abgebogen, um in Malawi Urlaub zu machen. Es war eine üble Diktatur, aber für uns ein kleines Paradies, weil es gegen Dollars alles gab, was wir im sozialistischen Tansania entbehren mussten. Jetzt biegen wir vor Kyela links ab und müssen uns noch über eine aufgerissene Straße quälen. Sie wird unter chinesischer Anleitung neu gebaut. Man erkennt die Aufpasser an ihren Strohhüten. Außer uns mühen sich noch erstaunlich viele Radfahrer über die Piste. Endlich erreichen wir nach vielen Stunden unser Ziel am See: Matema.

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