Tansania (6): Mbalizi-Kirche

Es gilt als historische Schuld der christlichen Missionare, die konfessionelle Vielfalt in Afrika eingeführt zu haben. Immerhin haben sie sich seinerzeit auf bestimmte Gebiete geeinigt, um sich nicht Konkurrenz zu machen. Es ist die die aktuelle Schuld der Afrikaner, dass sie die historische Kirchenlandschaft enorm vervielfachen, oft unter US-amerikanischem Einfluss. Zählte man zu unserer Zeit in den achtziger Jahren in Mbeya etwa dreißig verschiedene Konfessionen, dürften es jetzt über hundert sein.

Eine besondere Kirche ist die „Kanisa la Uinjilisti“(englisch: Mbalizi Evangelistic Church MEC), die 1980 im Nachbarort Mbeyas gegründet wurde. Sie wurde von unserer Moravian Church als unerwünschte Konkurrenz betrachtet. Ich aber habe ihre Leistungen immer anerkannt, besonders die von Markus Lehner.

Er verkörpert die typisch schweizer Mischung von großer persönlicher Frömmigkeit und cleverem Geschäftssinn. Aufgewachsen in Tansania ist er sozusagen nicht nur mit Tauf- sondern mit allen Wassern gewaschen. Er selbst bezeichnet sich gern als „Busch-Mann“. Es lohnt sich, einmal die Selbstdarstellung (vor allem die Rundbriefe) anzusehen.

http://www.mec-tanzania.ch/de/.

Wir haben bei ihm einen Landrover mit Fahrer gemietet (1,20 Schweizer Franken pro km). Kaifas kennt alle Schleichwege und wird mit jeder brenzligen Situation fertig. Für mein Gefühl könnte er etwas langsamer fahren. Er ist nebenbei eine gute Quelle für Informationen aller Art.

Wir begrüßen also Markus Lehner in seinem Zentrum in Mbalizi, wo er uns stolz die Mitarbeiter vorstellt und alle Einrichtungen, vor allem die Autowerkstatt und Schreinerei, zeigt. Die Werkstatt ist immer noch eine der besten. Allerdings erschwert die Entwicklung der Autoelektronik die einfache Mechaniker-Ausbildung. Markus schwört noch immer auf  Landrover, die man leicht reparieren kann. (Ich fuhr damals aber einen Toyota Landcruiser, weil ich eine Karre wollte, die man nicht zu reparieren braucht.) In der Schreinerei klagt er, dass er schwer Auszubildende bekommt, weil die jungen Leute lieber einen Bürojob anstreben. Und dann treffen wir in der Administration einen schüchternen jungen Mann, der sich ganz seltsam verhält. Er leidet unter den Folgen eines Schadzaubers. Wir sind in Afrika!

Lehners Erfolg beruht darauf, dass er mit vorzeigbaren Projekten Spenden und Zuschüsse aller Art bekommt. Kein Wunder, dass sogar der Präsident Tansanias zur Einweihung kommt. Nicht zuletzt verlässt er sich aber auf bewährte Mitarbeiter/innen aus der Schweiz, die ihm oder dem Projekt (oder Gott?) seit Jahrzehnten die Treue gehalten haben. Da ist Susanna Joos, die die Finanzen im Griff hat. (Auf dem Gebiet scheitern die meisten anderen Kirchen.) Leider ist sie im Urlaub. Sie hat uns bei der Vorbereitung unserer Reise sehr geholfen. Beim Mittagessen im neuen Ifisi Community Center treffen wir Susi Steffen, die schon vor dreißig Jahren Blutproben unserer Kinder auf Malaria untersucht hat. Sie zeigt uns das neue Krankenhaus nebenan, in dem wir gerade ein Neugeborenes bewundern können. Dann sehen wir Lydia Maag und andere. Mit solcher jahrzehntelangen Erfahrung im Land  können andere Experten nicht konkurrieren, die ja oft nur für zwei oder drei Jahre kommen.

Markus hat ein Gespür für künftige Entwicklungen. Als am Nyassa-See in Matema die lutherische Kirche ihr altes Missionshaus vergammeln ließ, baute er am schönen Strand komfortable Touristenunterkünfte. Als der neue Flughafen in Songwe gebaut wurde, hat er in der Nähe ein großes Hotel errichtet. Die nahe Schlucht erkannte er als mögliches Reservat für wilde Tiere. Flugs ließ er das Gebiet einzäunen, siedelte Antilopen und Zebras an und für spezielle Tiere einen kleinen Zoo. Jetzt können auch Afrikaner die Tiere ihrer Heimat beobachten, die sich die großen „gameparks“ wie Serengeti nicht leisten können. Und das neueste Projekt ist ein riesiges Schulzentrum.

Zwar nennt er sich bescheiden nur noch „Berater“ seiner Kirche. Aber ich denke doch, dass ohne ihn nichts geschieht. Er liebt straffe Führung und erinnert mich in diesem Punkt an Albert Schweitzer, der bekanntlich meinte: „Die Afrikaner sind meine Brüder. Aber ich bin der ältere Bruder.“ Und der gibt traditionell in Afrika den Ton an.

 

 

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