Tansania 5: Theologie

Wir Eltern haben unseren Wiedersehens-Kulturschock schon vor sieben Jahren bekommen, als wir eine Gruppe nach Mbeya führten. Da haben wir natürlich die neue Universität TEKU der Moravian Church, die Nachfolgeinstitution unseres Colleges MOTHECO, besucht und ausführlich alle Einrichtungen angeschaut und mit den Dozenten gesprochen. 2014 waren 4840 Studenten eingeschrieben.Ich verhehlte meine Skepsis nicht. Über die theologische Fakultät ist leider im Internet wenig zu finden: http://www.teku.ac.tz/.

Wir haben seinerzeit etwa 60 Studenten mit oft schwachen Schulkenntnissen in vier Jahren zu Pfarrern ausgebildet. Dabei ging es nicht um abstrakte Theologie, sondern um Kenntnisse, die sie für die Gemeindearbeit qualifizieren. Pfarrer sind oft Motoren in der Entwicklung, weshalb es ständig Diskussionen gab, was eigentlich Fortschritt (maendeleo) ist. Die meisten haben sich in den Dörfern bewährt. Mit großen Institutionen wie Hospital oder Schulen, die die Kirchen von Anfang an betreiben, sind sie aber oft überfordert. In der Konkurrenz der Konfessionen sind diese aber sehr bedeutend. Wenn eine Kirche eine Universität betreibt, will die andere auch eine haben. Da ein solches Projekt Zuschüsse von allen Seiten bekommt, sprechen böse Zungen von einer „Geldbeschaffungsmaschine“.

Nun geht es bei dieser Reise um unsere Töchter, denen wir den Ort ihrer Kindheit zeigen wollen. So „schleichen“ wir uns gewissermaßen auf den Teil des Campus, wo „unser“ Haus, die damaligen Unterrichtsräume und die kleine Kirche zu finden ist.

Unsere Kinder haben damals perfekt swahili gesprochen. Leider sind diese Kenntnisse aus ihrer Vorschulzeit verschwunden und noch nicht wiedergekommen. Dafür haben sie den legeren Gruß „mambo vipi?- Poa“ gelernt, der immer Heiterkeit auslöst.

Die Kirche ist schön geschmückt, wenn ich auch den Anbau von Toiletten etwas deplatziert finde. Die Lehrerhäuser sind äußerlich unverändert, aber der Anblick „unserer“ Wohnung ist schockierend. Wie kann man ein Haus so verkommen lassen? Der Jüngsten kommen die Tränen, mir steigen sie vor Zorn hoch. Es ist ein altes Elend, dass man in Tansania dauernd etwas Neues will, aber das Alte nicht pflegt. Wir beobachten dieses im ganzen Land. Bei den alten Lehmhütten war es sicherlich sinnvoll, wenn man nach drei oder vier Regenzeiten nebenan eine neue baut. Aber moderne Gebäude müssen gepflegt werden, wenn man sie erhalten will.

Dieselbe erschütternde Erfahrung machen wir im nahen Utengule, wo das alte Missionshaus, in dem wir die ersten glücklichen Wochen gewohnt haben, nun eine einsturzgefährdete Ruine ist. Der schöne Garten ist ziemlich verwüstet, nur der Bach fließt noch immer. Hier betreibt die Kirche eine Bibelschule, die nun aufgewertet werden soll, weil die eigene Universität zu teuer ist. Als erstes hat man schon mal Lehrerbüros gebaut. Da Ferien sind, treffen wir keine Studenten und nur wenige Lehrer an. Einer unterrichtet gerade die Klasse der künftigen Pfarrfrauen (akina mama), die uns fröhlich begrüßen. Wenn man vor einer solchen Klasse steht, möchte man gleich wieder einsteigen. Die Leute sind so freundlich, dass man ihnen nicht böse sein kann, selbst wenn man sauer ist.

Das Dorf liegt in einem herrlichen Tal, in dem es traditionell alte Kaffeefarmen gibt. Ein Schweizer Kaffeefarmer hat eine Lodge gebaut, deren Einweihung wir noch mit einer großen Party mitgefeiert haben. Klar, dass wir dort für eine Cola einkehren und den phantastischen Blick genießen.

http://www.regenwaldreisen.ch/tansania-mbeya-utengule%20coffee%20lodge.html.

Am Ende schauen wir  zu der Farm, in der wir seinerzeit – nach einer Stunde Fahrt über Stock und Stein! – Milch und Käse geholt haben. Die Kühe gibt es nicht mehr, aber das Farmhaus steht noch, in dem der letzte Kolonialist der Unabhängigkeit getrotzt hat. Fährt man die Straße zum Rukwa-See weiter ins Landesinnere, was ich nur einmal getan habe, kommt man in Gebiete, wo gejagt wird – nicht nur von Löwen.

In Mbeya kriegen wir noch eine andere Jagd mit, nämlich die auf arme Seelen. In der Stadt ist eine Großevangelisation der charismatischen Mission „Christus für alle Nationen“. Man rühmt sich, dass sage und schreibe 153120 Menschen sich „für Christus entschieden“ haben. Na denn !

http://www.bonnke.net/cfan/de/veranstaltungen/afrika-2016/mbeya

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