Afrika-Festival

Das wechselhafte Wetter macht derzeit allen zu schaffen die “Open-Air” anbieten. So leidet auch das Tübinger Afrika-Festival, das auf der Festwiese zum 7. Mal stattfindet, unter den Kapriolen. Mal ist es zu heiß, dass man wenig Lust auf Diskussionen hat, mal regnet es in Strömen, sodass man nicht gern an den zahlreichen Buden vorbeischlendert. Es ist bewundernswert, was der Verein „AfrikAktiv“ wieder zusammengebracht hat. Vgl. www.afrikafestival.net

Das Afrika Festival hat Burundi als Fokusland gewählt. Neben zahlreichen Ständen mit Kunstgewerbe  und kulinarischen Angeboten, gibt es verschiedene Foren, die die Themen der Entwicklungszusammenarbeit thematisieren. Am Samstag war der Burundi Celebration Day mit burundischen KünstlerInnen und einen Friedensparade.

Ich suche Ansprechpartner, die Swahili sprechen, finde aber nur wenige. Tansania ist kaum vertreten. Überhaupt fehlen viele Gruppen, die man sonst zum Thema Afrika kennt. Schließlich gibt es hier eine Partnerschaft mit Moshi/Tansania, der Kirchenbezirk hat eine mit Kamerun und das Land Baden-Württemberg mit Burundi. Um Burundi kümmert sich die regierungsnahe „Stiftung Entwicklungszusammenarbeit SEZ“ mit einem „Kompetenzzentrum“.

Allerdings: Der Menschenrechtsbeauftragte der Vereinten Nationen in Burundi äußert sich besorgt über die Zustände und Entwicklungen in den Binnenstaat. Nachforschungen und Berichten zufolge sollen nach wie vor Folter, willkürliche Festnahmen und Einschüchterungen gegenüber der Bevölkerung stattfinden .

Die Regierung schränkte die Rechte auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit 2015 zunehmend ein. Die Entscheidung von Präsident Pierre Nkurunziza, für eine dritte Amtszeit zu kandidieren, löste bei der Opposition, in der Zivilgesellschaft und bei anderen Akteuren Proteste aus, die von den Sicherheitskräften, insbesondere von Polizei und Geheimdienst (Service National de Renseignement – SNR), gewaltsam unterdrückt wurden. Demonstrierende sahen sich mit exzessiver Polizeigewalt konfrontiert. Festgenommene Personen wurden vom SNR gefoltert und auf andere Weise misshandelt. Die Sicherheitskräfte drangen gewaltsam in die Räumlichkeiten unabhängiger Medien ein. Mehrere Menschen wurden rechtswidrig getötet, weil sie als Gegner des Präsidenten galten.

Am 13. Mai 2015 unternahmen mehrere Generäle einen Putschversuch, während Präsident Nkurunziza in der tansanischen Stadt Daressalam an einem Gipfeltreffen zur aktuellen Lage in Burundi von Staatschefs aus der Region teilnahm. Der Umsturzversuch schlug fehl. Mehrere Offiziere flohen außer Landes. Sicherheitskräfte, die loyal zum Präsidenten standen, inhaftierten mehrere Offiziere.

Nach den Parlamentswahlen im Juni folgte im Juli 2015 die Präsidentschaftswahl, die Pierre Nkurunziza gewann.  Belgien, die Niederlande, die USA und weitere Länder stellten ihre Entwicklungszusammenarbeit mit Burundi teilweise oder vollständig ein. Die EU leitete Konsultationen, um die Zusammenarbeit zu überprüfen. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks (UNICEF) waren die für den Sozialbereich zuständigen Ministerien zuletzt zu 80% von ausländischer Unterstützung abhängig. Die Regierung unternahm nichts gegen Angehörige der Sicherheitskräfte, denen außergerichtliche Hinrichtungen vorgeworfen wurden. Es kam weder zu Ermittlungen, noch wurden sie vom Dienst suspendiert. Mehr als 230000 Menschen flohen 2015 in die Nachbarländer. Von alldem war zu wenig die Rede. Ob diese Themen diejenigen überhaupt interssieren, die vor allem Party machen wollen?

Es ist sicherlich löblich, dass  die „Afrikanische Diaspora in Deutschland“ ein differenziertes Afrikabild vermitteln will. Man wünscht sich ja, dass Migranten mithelfen bei der Entwicklung ihres Heimatlandes. Die Höhe der Überweisungen an Familienangehörige übertrifft bereits die Aufwendungen für Entwicklungshilfe. Die Bilder von Hunger, Krieg und Elend nun aber durch solche von Modenschauen und Musikgruppen zu überwinden, kann nicht sinnvoll sein. Die diesbezühliche Hochglanzbroschüre des Vereins, die kostenlos verteilt wird,  zeigt das Dilemma deutlich. Sie zeigt aber auch, dass der Verein offensichtlich verstanden hat, was „fundraising“ ist. Firmen haben gern ein positives Umfeld. „Hässliche Themen“ sind schädlich für das Geschäft.

 

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