Begegnung ohne Grenzen

Wummernde Bässe machen am Samstag mein „Freibad“ zu einem fragwürdigen Vergnügen. Kaum komme ich mit dem Auto aus dem nahen Festplatz heraus, weil 4000 junge Leute „holi gaudy“ feiern. Die Zeitung jubelt: „Tübingen macht bunt“: Jedes Jahr zwischen Februar und März feiern Millionen Hindus in Indien das Holi-Fest und bewerfen sich mehrere Tage lang mit buntem Farbpulver, dem „Gulal“. Es ist eines der ältesten Hindu-Feste und markiert den Frühlingsbeginn. Trotz aller Veränderungen in der modernen indischen Gesellschaft ist die sakrale Bedeutung weiterhin deutlich erkennbar, so werden etwa die Farben noch heute meist vorher auf dem Altar geweiht und die Menschen überbringen Segenswünsche. Davon ist in Tübingen und anderswo nichts zu spüren. Seit einigen Jahren feiern junge Farbfans das Holi-Fest auch in Deutschland, allerdings in Form eines eintägigen Festivals mit elektronischer Musik. Außer Spaß hat es keinen Sinn.

Keine Schlagzeile ist es bisher der Ortszeitung wert, dass am Sonntag in der überfüllten  Morizkirche in Rottenburg viele Menschen einen ökumenischen Gottesdienst  und anschließend unter dem Motto „Begegnung ohne Grenzen“ ein beeindruckendes Fest feierten, ein Tag der Gemeinschaft für Menschen mit und ohne Behinderung.

Am Gottesdienst beteiligten sich der Kinderchor von St. Moriz, Schüler der Lindenschule und Hohenbergschule und Erwachsene aus verschiedenen Wohnprojekten. Leider hat man die Wortbeiträge zum Gebet  hinten akustisch nicht mehr verstanden. Schade! Immerhin sprach die evangelische Pfarrerin deutlich. Dann gab es ein einfaches Mittagessen. Ein buntes Rahmenprogramm mit Vorführungen und Spielangeboten begleiteten durch den Tag. Zum Abschluss gab es noch  ein Konzert in der evangelischen Kirche.

In meiner Rottenburger Zeit gab es jährlich den „Stettener Tag“, an dem Menschen aus der Diakonie Stetten die Kirchengemeinde besuchten, privat bei Gastgebern essen konnten und man mit ihnen einen bunen Nachmittag gestaltete. Mit Schaudern erinnere ich mich an meine Leichtfertigkeit, als ich Bootsfahrten der Behinderten auf dem Neckar mit dem legendären „Affenpaule“ organisierte. Nicht auszudenken, wenn die gekentert wären. Das jetzige Begegnungsfest ist tatsächlich ein „Paradigmenwechsel in Richtung Inklusion“. Das vielfältige Engagement der zahlreichen Ehrenamtlichen hätte in der Zeitung mehr Beachtung als das „Gaudy- Festival“ verdient.

 

 

 

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