Licht in Dußlingen

Man muss nur einige Kilometer hinter unserem Haus durch den Wald Rammert gehen, dann kommt man nach Dußlingen. Dort steht seit 1501 die Peterskirche. Heute gehen wir hin in den Gottesdienst, weil eine russische Missionarin predigt. Ich lese:

„Vom 05.07. bis 14.07.2016 besucht die Straßenmissionarin Schirinaj Dossowa aus Moskau Gemeinden in Deutschland und hat dabei spannende Berichte aus Russland und Zentralasien im Gepäck. Die körperlich eher zierliche Frau Mitte Fünfzig schafft es, den Zuhörer mit ihrem Temperament und ihren bewegenden Zeugnissen von Menschen zu faszinieren und zum Nachdenken zu bringen. Da sie als Kind selbst in einem moslemischen Land aufgewachsen ist, liegen ihr Menschen mit muslimischem Glauben besonders am Herzen. Dossowa unterrichtet an Theologischen Ausbildungsstätten, wird gerne als Referentin angefragt und predigt auf der Straße das Evangelium in der Hauptstadt Russlands. Schirinaj Dossowa ist langjährige Missionarin von „Licht im Osten“ und mehrfach ausgezeichnet mit dem internationalen „Hope Award“.“

Zunächst feiert aber der 70iger Jahrgang mit seinem Liederkranz. Da muss die Predigt warten. Dann legt Frau Dossowa los, ihr Dolmetscher ist manchmal noch schneller. Man merkt, dass die beiden Routine haben. Auch wenn ich ihre Theologie und manche Praxis ablehne, bin ich doch beeindruckt von dem persönlichen Einsatz.  Als deutscher Religionsbeamter mit Pensionsberechtigung kann man sich kaum vorstellen, welche Gefahren diese Menschen für ihren Glauben an Christus auf sich nehmen. In Russland und Zentralasien hat man für evangelikale Christen wenig Verständnis, schon gar nicht für offensive Missionare. Manch einer sitzt jahrelang im Gefängnis. Oder kommt in die Psychiatrie. Diese Nachfolgestaaten der Sowjetunion haben nie bürgerliche Freiheiten gekannt. Ihre oft noch kommunistisch ausgebildeten Staatsführer nutzen nun den Islam zur Unterstützung ihrer Macht. Religionsfreiheit stört da nur.

Dass Frau Dossowa, die selbst aus einer muslimischen Familie kommt, den Islam kritisch beurteilt, kann man verstehen. Es ist erstaunlich, dass sie offenbar ihre zahlreichen Geschwister für den christlichen Glauben begeistern konnte.Manches erscheint mir naiv. Aber es wird durch große Opferbereitschaft bekräftigt.

Im Vortrag nach dem Gottesdienst geht sie besonders auf das neue „Anti-Terror-Gesetz“ in Russland ein. Dieses Gesetz schränkt unter anderem das vom russischen Grundgesetz her garantierte persönliche Recht jedes Bürgers zur freien Ausübung und Verbreitung der eigenen Glaubensüberzeugungen massiv ein. Neu eingeführt wurde der Begriff „missionarische Tätigkeit“. Darunter wird jegliche Aktivität einer religiösen Vereinigung verstanden, bei der es um die Verbreitung ihrer Glaubenslehre unter Personen geht, die dieser Vereinigung nicht angehören, mit dem Ziel, sie zu Mitgliedern zu machen.
Zuwiderhandlungen werden mit hohen Geldstrafen geahndet. Die Strafen betragen zwischen 400 und 750 EUR für Privatpersonen und für juristische Personen zwischen 1.400 und 14.000 EUR.
Dieses Gesetz legt außerdem fest, dass alle Telefonate und sämtliche Arten von elektronischer Kommunikation mindestens für ein halbes Jahr zu speichern sind.

Was dieses Gesetz an konkreten Auswirkungen für die protestantischen Gemeinden haben wird, ist im Einzelnen noch nicht abzusehen, aber es ist klar, dass dies zu drastischen Beschneidungen der Möglichkeiten evangelischer Tätigkeit führen wird.

Vor der Kirche wird an einem Bücherstand russische und deutsche Literatur angeboten. Das Buch „Mein ewiger Frühling“ von Schirinaj Dossowa ist allerdings heute schon vergriffen. Ich bestelle  es mir bei „Licht im Osten“ http://www.lio.org.

 

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