Eine-Welt-Tag

Kürzlich rief mich jemand an, der eine Grundschule in Tansania fördern möchte. Ob nicht eine Kirchengemeinde dafür eine Kollekte geben könnte. Nun bin ich nicht mehr im aktiven Gemeindedienst, weiß aber, dass solche Anfragen nicht sehr willkommen sind. Der Kollektenplan ist in der Regel durch Synode und Kirchengemeinderat langfristig festgelegt. Unter den Empfängern sind überproportional viele Organisationen, die sich karitativ international engagieren: kirchliche Hilfswerke, Diakonie, Missionsgesellschaften, Netzwerke usw. Immer öfter wollen sich Menschen aber direkt engagieren und misstrauen dem „großen Topf“. Dabei vergessen sie, dass eine erfahrene Organisation nicht nur für ordentliche Abrechnungen sorgt, sondern auch eine langfristige Hilfe zur Selbsthilfe ermöglicht. Meistens werden bei privaten Projekten die interkulturellen Schwierigkeiten unterschätzt und Enttäuschungen sind die Folge. Viele  kirchliche Hiofswerke werben nicht nur Spenden, sondern hoffen auch auf Mitarbeit und laden ausdrücklich dazu ein.

Eine solche Einrichtung feierte gestern ihr Jahresfest, „Eine-Welt-Tag“ (früher Missionsfest) genannt. Das DIFAEM (Deutsches Institut für ärztliche Mission) feierte darüber hinaus das hundertjährige Bestehen ihrer Tropenklinik „Paul-Lechler-Krankenhaus“. Die Tübinger wissen natürlich, was sie diesem zu verdanken haben. Wenige aber wissen, dass das „Institut“ DIFAEM nicht nur als „Träger“ fungiert, sondern fast die gesamte medizinische Arbeit der Kirchen weltweit berät und unterstützt. Zu meiner aktiven Zeit war es konzentriert auf die HIV-Epidemie und maßgeblich am „Bündnis gegen Aids“ beteiligt.

In jüngster Zeit hat es sich vor allem in Westafrika gegen Ebola engagiert. Darum ging es vor allem in den nachmittäglichen Vorträgen. Zwar ist diese Epidemie abgeklungen, aber längst nicht „besiegt“. Patricia Kamara von der Christian Health Association“ (CHAL)  aus Liberia informierte, wie man das desolate Gesundheitssystem wieder aufbauen kann.

Nach fast zwei Jahren, ist die Ebola Epidemie in West Afrika fast besiegt. Doch die Angst vor Ebola sitzt vor allem bei den Mitarbeitenden in Gesundheitseinrichtungen tief. Die Fachkräfte brauchen daher Unterstützung und auch die Überlebenden müssen psycho-sozial versorgt werden. Das DIFÄM unterstützt seine lokalen Partner dabei, die Gesundheitsversorgung in Liberia und Sierra Leone langfristig wieder aufzubauen, um erneute Epidemien zu verhindern.

Vgl. http://difaem.de/laender/projektdetail/news/aufbau-der-gesundheitsdienste.

Mein Freund Albert Petersen, Leiter der Arzneimittelhilfe des DIFAEM, informierte über die Schwierigkeiten der Medikamentenversorgung. Er hat sich zur Aufgabe gesetzt, die Verfügbarkeit in den Einrichtungen der Partner zu steigern und ihr Personal in der Dosierung, Lagerung und Qualitätsprüfung zu schulen. Zum anderen helfen die DIFAEM-Leute mit, dass diese Präparate und Produkte in den kirchlichen Zentralapotheken immer, günstig und in guter Qualität zur Verfügung stehen.

Als ich 1969 nach Tübingen kam, war ich erstaunt, dass unter dem Titel Mission ein Arzt sich für afrikanische Befreiungsbewegungen stark machte. So viel Progressivität hatte ich nicht erwartet. Als Studentenpfarrer habe ich mich später dafür eingesetzt, dass Theologie- und Medizinstudenten die globalen Erfahrungen dieses Werks nutzen. Darum freut es mich als Mitglied, dass auch heute Studenten und andere junge Leute die Arbeit unterstützen. Man kann sich – wie die reichhaltige Öffentlichkeitsarbeit zeigt – auf vielen Gebieten beteiligen. Man muß „das Rad nicht neu erfinden“.

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