Elisabeth Moltmann-Wendel

Ich komme gerade von der Trauerfeier für Elisabeth Moltmann-Wendel – gestorben am 7. Juni im Alter von 89 Jahren. Die Berliner Pfarrerin Susanne Kahl-Passoth hat sie in einer sehr persönlichen Predigt über Jesaja 35,10 („Und ewige Freude wird über ihrem Haupte sein“) eindrucksvoll gewürdigt.

Die aus Herne stammende protestantische Wissenschaftlerin wurde bekannt als Autorin zahlreicher Bücher und Studien zu den Themen Frauen und feministische Theologie. Sie studierte nach dem Krieg in Berlin und Göttingen evangelische Theologie. 1951 promovierte sie mit einer Arbeit über den niederländischen Theologen Hermann Friedrich Kohlbrügge. In jener Zeit wurden Theologinnen noch nicht als Pastorinnen ordiniert. So teilte sie das Schicksal ihrer Generation, die sich ihre Emanzipation teils mühsam erkämpfen musste. Seit 1952 war sie mit dem evangelischen Theologen Jürgen Moltmann verheiratet. Solange ihre vier Töchter heranwuchsen konzentrierte sie sich zunächst vor allem auf die Familie und verzichtete auf eine durchaus denkbare Universitätskarriere. Sehr einfühlsam aus persönlicher Kenntnis der Familie schilderte Frau Kahl-Passoth, wie sie sich um die Erziehung der Töchter und später als Großmutter um die Enkel kümmerte.

Als diese Lebensphase erwähnt wurde, erinnerte ich mich, dass ich als Schüler keine  Pastorin und in meinem ganzen Studium nicht eine einzige Theologieprofessorin erlebt habe.

Wenig wurde von ihren zahlreichen Veröffentlichungen gesprochen. Moltmann-Wendel hat u.a. geschrieben: „Wenn Gott und Körper sich begegnen“, „Als Frau und Mann von Gott reden“ mit Jürgen Moltmann. Sie ist Mitherausgeberin des „Wörterbuches der Feministischen Theologie“.

Mich haben am meisten beeindruckt neben ihren Bibelarbeiten auf Kirchentagen: „Ein eigener Mensch werden. Frauen um Jesus“, „Das Land, wo Milch und Honig fließt“ und  „Mein Körper bin ich.“

Da die Universität ihr verschlossen blieb, wirkte sie vor allem als viel gefragte Referentin. In dieser Rolle war sie öfter in der Evangelischen Akademie Bad Boll zu Gast, die zeitweise ein Zentrum feministischer Theologie war.

Mit ihren Thesen zu einem frauenorientierten Abendmahlsverständnis hatte Moltmann-Wendel Mitte der 90er Jahre eine Kontroverse weit über die württembergische Landeskirche hinaus ausgelöst.

In der Predigt wurde mit Recht erwähnt, dass Kritik nicht nur von Männern kann, sondern (oft verletzend) auch von Frauen. Sie selber konnte aber auch hart urteilen. Als Beispiel erinnere ich ihre scharfe Kritik an der „Bibel in gerechter Sprache“.

Dennoch haben ihr viele zu danken für einen weiblichen Blick auf die christliche Tradition. Ihr Feminismus befreit auch die Männer. Mann lese nur in „Mein Körper bin Ich“ das Kapitel über Männerkörper (S.33 ff.)

So möchte ich sie selbst abschließend zitieren: „„Habt keine Angst“, „Fürchtet euch nicht“ – das ist die Botschaft, die am Anfang der Menschwerdung, der Körperwerdung Gottes steht und die auch unser Mensch-Werden begleiten kann. Sie ist auch die Botschaft der Auferstehung am Ostermorgen, die Botschaft der Hoffnung, dass alles, was ist, nicht von der liebe Gottes getrennt werden kann, kein Grashalm, kein Mensch, kein Tier… Das ewige Leben beginnt hier in uns mit unseren Körpern, die der Trennungsangst begegnen können. Es ist nicht der Sprung in eine andere Welt, sondern die Heilung unserer Welt… Dann kann der Weg  in den dunklen Raum angstfreier gegangen werden. Was dann und ob etwas danach kommt, wissen wir nicht. Aber wir können geöffnet bleiben für neue Erfahrungen. Noch bleiben uns die Geheimnisse eines Jenseits verschlossen…“ Moltmann-Wendel, Mein Körper bin ich, 1994, S.103.

Eine große Gemeinde nahm in der Tübinger Stiftskirche von ihr Abschied. Allerdings hätte ich mehr Kolleginnen erwartet. Für sie sprach Kirchenrätin Carmen Rivuzumwami die Lesungen und  Gebete. Ingo Bredenbach begleitete an der Orgel den Gesang von Christine Reber (Anton Dvorak, „Psalm 23“und  Johann Sebastian Bach, „Jesus bleibet meine Freude“).

 

 

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