Salz und Licht der Erde

Das hat es lange nicht gegeben in der evang.-theologischen Fakultät: Die „Fachschaft“ – eine Vertretung der Studenten – veranstaltet einen Studientag zum Thema Mission. Und der Hörsaal ist an diesem seltenen Sonnentag überraschend voll. Frauen überwiegen, aber zu Wort melden sich eher die Männer. Der Dekan kann als Kirchengeschichtler nicht anders als in seinem „Grußwort“ bei der fränkischen Mission im 8. Jahrhundert zu beginnen, wobei er Karl I. bewusst nicht „den Großen“ nennt. In meiner norddeutschen Heimat hieß er lange nur „Karl der Sachsenschlächter“. Mit einer solchen „Mission“ (Taufe oder Hinrichtung) will wohl schon lange keiner mehr etwas zu tun haben. Die Evangelische Kirche hat darum nach der Reformation Begriff und Praxis vermieden und eben nicht „missioniert“. Erst die Handwerker der evangelischen Herrnhuter Brüdergemeine begannen im 18. Jahrhundert eine „Äußere Mission“, weil sie vom Leid der Sklaven in der Karibik und anderswo angerührt waren.

Mich interessiert eigentlich nur der Vortrag von Theo Sundermeier, den ich als hervorragenden Missionswissenschaftler schätze, zumal er in jüngeren Jahren selber im südlichen Afrika gearbeitet hat.

Er begründet biblisch die Mission nicht durch den sogenannten Missionsbefehl, sondern mit der Bergpredigt Jesu. Damit ist die missionarische Pflicht begründet. Man kann nicht Licht sein, ohne dass es strahlt, so wie Salz auf einem Haufen nichts nützt. Das Ausstrahlen gehört zum Sein der Kirche. Ob es verbalisiert wird, ist weniger wichtig. Das eigene Handeln muss ausstrahlen.

Matthäus 5,13-16

„Salz und Licht: 13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. 14 Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. 15 Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. 16 So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

Diese Verse können als Gründungsmoment der Kirche gesehen werden.

Kulturanthropologisch sieht er drei Grundmodelle, wie man mit fremden Kulturen umgeht:

  1. Alteritätsmodell: „Der Andere ist ein Barbar.“ Diese Haltung ist in allen Kulturen weit verbreitet, gewissermaßen ein problematisches Menschheitserbe. Die Kirche war aber von Anfang an eine Gemeinschaft von „Juden und Heiden“.
  2. Gleichheitsmodell: Es gibt keine Fremde, es gibt keine Differenzen, das Fremde ist nur das Fremde in mir selbst. Unterschiede werden ignoriert, der Andere nach dem eigenen Muster gesehen. Die Folge sind oft Enttäuschungen, wenn die Unterschiede doch sich unangenehm bemerkbar machen. Fremdheit wird nicht durch Umarmungen oder Suchen nach Ähnlichkeiten und Gleichheiten überwunden. Eine Hermeneutik der Anerkennung ist notwendig. Eine Anerkennung des Anderen mit der gleichen Würde wie ich selbst ist wichtig, um mit Differenzen umgehen zu können.
  3. Komplementärmodell/Händlermodell: Jede Kultur lebt davon, Handel mit anderen Kulturen zu treiben. Hierfür werden die Händler akzeptiert, man nimmt sie auf, da man eine Gegenleistung und einen Mehrwert erwartet. Dies ist vermutlich die gegenwärtige Grundhaltung gegenüber den Migranten. Für eine christliche Haltung gegenüber dem Fremden reicht das aber nicht aus.

Den zweiten Hauptvortrag hielt Heinzpeter Hempelmann über “Christliche Wahrheit? Kommunikation des Evangeliums in einer mental fragmentierten Gesellschaft“. In höchst abstrakter Form setzte er sich mit den drei gegenwärtigen Basis-Mentalitäten (mindsets) und ihren Wahrheitsbegriffen auseinander. (1.Prämodern-traditionsorientiert, 2.modern-kritisch, 3.postmodern-pluralistisch.) Er hat sich dazu ausführlich in seinem Buch „Prämodern, Modern, Postmodern. Warum „ticken“ Menschen so unterschiedlich?“, 2013 geäußert.

Ich gestehe: Ich kann mit solch abstrakten Wahrheitsbegriffen nicht viel anfangen. Wahrheit ist konkret und darum so vielgestaltig, dass man besser von Wahrheiten spricht. Die Rede von einer „christlichen Wahrheit“ ist meistens autoritär und meist nach kurzer Zeit schon historisch relativiert.

 

Am Nachmittag sprachen noch Riley Edwards-Raudonat (Evangelische Mission in Solidarität, EMS) mit der Empfehlung „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ Martin Buber (EMS, Theologische Orientierung, Nr. 6)

Bold humility „Mutige Demut“ David Bosch, (EMS, Theologische Orientierung, Nr. 9).

 

Ferner Gregor Mathee (Studienhaus Greifswald) und Hugo Greevers (Lutherisches Begegnungshaus „Die Brücke“ Leipzig.

 

Mir fielen im Hörsaal viele T-shirts mit der Aufschrift ISSO (für: Ist so)  auf. Offenbar sind das Studenten, die in Tübingen zur missionarischen Praxis übergehen. https://www.facebook.com/issotuebingen/?fref=ts.

Wie heißt es in der Tübinger Bauernoper? „Geschlagen ziehen wir nach Haus, die Enkel fechten’s besser aus.“

 

 

 

 

 

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