Evangelische Friedenstheologie

“Warum ist Krieg so geil und Frieden so langweilig?”, fragt einer der wenigen Pfarrer, der an der Diskussion mit dem Friedensbeauftragten der Evangelischen Kirche (EKD) Renke Brahms teilnimmt. Das Evangelische Stift Tübingen hatte den „Schriftführer in der Bremischen Evangelischen Kirche“ – so nennt sich dort der Quasi-Bischof – zu einem Vortrag geladen. Meine Antwort auf jene Frage ist: „Weil Friedensarbeit zumindest in  den Kirchen oft nur aus Papieren besteht.“ Ich bemühe mich jedenfalls um ein Leben, das mein israelischer Freund Ruven Moskowitz einmal „Friedensabenteuer“ genannt hat.

Brahms trägt denn auch erst einmal die letzte, nicht mehr ganz frische  EKD -Friedensdenkschrift  „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“ (2007) vor. Das Ziel eines „gerechten Friedens“ hat die alte Doktrin vom „gerechten Krieg“ abgelöst, die den Krieg entgegen ihrer Intention nicht einschränken konnte.

Die evangelische Friedensarbeit wird von Kirchengemeinden und Gruppen vor Ort getragen. Begleitet und gefördert wird sie durch landeskirchliche Beauftragte und Arbeitsstellen, aber auch durch christliche Friedensorganisationen in der Region. Auf EKD-Ebene unterstützen die Beteiligten im Verein für Friedensarbeit sowie die Konferenz für Friedensarbeit mit ihren Akteuren die evangelische Friedensarbeit vor Ort durch vielerlei Impulse, mit Material, Projekten und persönlichen Kontakten. Sie tragen dazu bei, dass friedensrelevante Themen qualifiziert aufgenommen werden können. Leider ist der diesbezügliche Internetauftritt des Friedensbeauftragten nicht sehr aktuell. Siehe http://www.ekd.de/friedensbeauftragter/download/zukunft_der_friedensarbeit_2012.pdf.

Äußerungen einer Volkskirche wie die EKD sind immer Kompromisspapiere, zumal sie aus einer Staatskirchentradition kommt. Eine radikale pazifistische Position wie bei den Quäkern kann man nicht erwarten. Immerhin spricht sich die EKD für einen Vorrang der zivilen Friedensarbeit gegenüber der militärischen Verteidigungspolitik aus. Aber sie lässt der Politik das „Schlupfloch“ der „ultima ratio“ (letzte Möglichkeit), das diese weidlich nutzt. Zwar betont Brahms die „prima ratio“ (erste präventive Möglichkeiten), aber die gegenwärtige Ausweitung der militärischen Einsätze spricht eine andere Sprache. Der Protest der Kirchen dagegen ist verhalten, wenn auch einige christliche Organisationen wie „Ohne Rüstung leben“ deutlich widersprechen.

Immerhin hat sich eine Landeskirche, nämlich die badische,  ebenfalls deutlich positioniert. Das kommt an diesem Abend im Stift leider zu wenig zur Sprache. Die Präsidentin der Landessynode Fleckenstein sagte zur Eröffnung der Herbsttagung 3013: „Ziel der Diskussion ist  es, dass die Christen in der Bundesrepublik, ja in ganz Europa immer mehr zu einer Kirche des Friedens werden, in der die Option des Einsatzes von Gewalt zur Konfliktlösung durch gewaltfreie Lösungspotenziale ersetzt werden kann.“  Viele Stimmen kritisieren die EKD-Position der „vorrangigen  Option für Gewaltfreiheit“. Sie finden, dass aus christlicher Sicht Gewaltfreiheit die einzige (!) Option sein müsse. Siehe http://www.ekiba.de/html/content/der_friedensethische_prozess_in_baden_bis_2013.html

Solange das Ziel nicht erreicht ist, müssen Christen eben selber aktiv, am besten „Friedensabenteurer“ werden. Ich habe jedenfalls immer weniger Lust auf binnenkirchliche Debatten über Papiere, sondern engagiere mich mit andern zusammen lieber direkt in der Öffentlichkeit.

 

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