Sizilienreise (7): Syrakus

Der Busfahrer steuert unverdrossen trotz Protest auf den “Archäologischen Park“ zu. Meine Klassenkameraden wollen aber die Überreste der einstigen griechischen Millionenstadt gar nicht sehen. Auch das Museum verschmähen sie. Zum Glück waren wir allein vorher schon dort.

Allerdings ist die Altstadt wirklich besonders sehenswert, viel schöner als Catania oder Palermo. Schon Cicero, der hier mach dem Recht schauen sollte, beschrieb sie als größte und schönste aller griechischen Städte.

Siehe http://www.italien-inseln.de/siracusa/syrakus.html

Wir konzentrieren uns mit der Klasse also auf die Insel Ortygia. Diese liegt zwischen zwei Naturhäfen und ist nur durch eine enge Durchfahrt vom Festland getrennt. Auf ihr befindet sich eine erstaunliche Süßwasserquelle mit Papyrus am Ufer..

Unter der Herrschaft von Tyrannen wie Dionysos gelang es mehrere Jahrhunderte, sich den Angriffen fremder Eroberer zu widersetzen und die eigene Vormachtstellung auszubauen. Auch wissenschaftlich und kulturell spielte Syrakus eine bedeutende Rolle. Dichter wie Aischylos oder Pindar versammelten sich am Hof der Stadt. Platon lehrte hier Philosophie und Archimedes entwickelte Kriegsmaschinen zur Verteidigung der Stadt.

Wir starten beim Apollotempel, dem ältesten größeren griechischen Tempel Siziliens. In byzantinischer Zeit diente er als Kirche, in arabischer Zeit als Moschee, dann wieder als christliche Kirche. Erhalten sind das Fundament, Teile der Cellawand und Reste einiger dorischer Säulen.

Der Dom Santa Maria delle Colonne (Heilige Maria der Säulen) wurde im 7. Jahrhundert n. Chr. durch einen Umbau des Tempels der Athene errichtet. Dieser Tempel stammt aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., seine Säulen sind heute an der Hauptfassade und im Innenraum  zu sehen.

Ebenfalls auf dem Domplatz steht die Barockkirche Santa Lucia alla Badia, die zur Zeit das Gemälde „Grablegung der Hl. Lucia“ von Caravaggio ausstellt. Der Frechdachs hat Bischof und Heilige ziemlich klein, die Totengräber um so größer und auch noch von hinten gemalt.

Hier wäre nun Schillers Bürgschaft angesagt. „Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich Damon, den Dolch im Gewande: Ihn schlugen die Häscher in Bande, … Da schimmern in Abendrot Strahlen, von Ferne die Zinnen von Syrakus.“ Aber das hatten wir schon. Unser zweiter Deutschlehrer trägt am Meer lieber eine Halunkenballade von Fritz Graßhoff vor – auswendig. Respekt!

Die Gruppe will noch nach Noto, das ich schon besucht habe. Sie hat außerdem  noch Enna, Villa Casale und Palermo auf dem Programm. Da muss ich jetzt nicht noch einmal hin.

Was ist mein Resümee dieser seltsamen Klassenfahrt? Es ist erstaunlich, dass wir nach fünfzig Jahren noch so gut uns verstehen. Alle Abiturienten von 1966 sind in lebenslänglichen Berufen erfolgreich gewesen: Beamte, Ärzte, Lehrer, Pfarrer etc. Die meisten erfreuen sich einer guten Gesundheit und genießen den Ruhestand. Unsere damaligen Pauker sind bis auf unsern Lateinlehrer alle gestorben. Der hatte vor 50 Jahren mit uns eine Reise nach Rom unternommen, was damals durchaus nicht selbstverständlich war. Nicht zuletzt durch solche Untenehmungen ist unsere Klassengemeinschaft zusammengewachsen. Vielleicht auch durch gemeinsamen Widerstand gegen damalige autoritäre Methoden.

 

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