Brüssel, Istanbul, Paris etc.

Ich bin froh, dass ich zu den Attentaten nicht öffentlich reden muss. Die meisten Äußerungen und den üblichen Medienrummel („Brennpunkt“) finde ich abstoßend. Sympathisch bescheiden der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm: „Ich bin bestürzt über die brutale Gewalt gegen unschuldige Menschen. In diesen Stunden bete ich für die Opfer und ihre Angehörigen. Unzählige Menschen sind heute im Gebet für die Opfer vereint. Solche feigen Anschläge sind durch keine Religion zu rechtfertigen: Terror ist Gotteslästerung.“

Peinlich ist der Vorsitzende des sogenannten „Zentralrats der Muslime“ Aiman Mazyek, der seine Stellungnahme zu Paris wieder auflegt und sich zum Gerichtspropheten aufschwingt: „Euch wird der Zorn Gottes und der gesamten Menschheit treffen.“ Wenigstens wiederholt er nicht sein Mantra „Mit Islam hat das nichts zu tun.“ Denn es sieht ja jeder, dass Menschen in weit schlimmeren und lang andauernden Bedingungen wie etwa Sinti und Roma eben keine Bomben auf Unschuldige werfen. Es reicht, dass die Täter vor ein ordentliches Gericht kommen.

Übel auch die Zeitung mit den großen Buchstaben: „Wir sind im Krieg.“ Politiker bemühen sich derweil noch um verbale Abrüstung.

Fragen: Lässt der Terror Europa enger zusammenrücken? Werden Initiativen der EU-Innenminister zu einem intensiveren Austausch von Fluggastdaten jetzt schneller umgesetzt? Oder werden auch diejenigen jetzt wieder lauter vernehmbar, die Sicherheit vor allem durch nationale Maßnahmen fordern? Schlagen die EUkritischen und nationalistischen Parteien Kapital aus den Anschlägen von Brüssel?

Ich erinnere an ein Wort, das mich am meisten beeindruckt. In der Terrornacht vom 13. November kam seine Frau um. Er schrieb einen Offenen Brief an die Mörder: „Ihr werdet meinen Hass nicht bekommen… Nein, ich werde euch nicht das Geschenk machen, euch zu hassen. Auch wenn ihr euch sehr darum bemüht habt; ihr wollt, dass ich Angst habe, dass ich meine Mitbürger mit misstrauischem Blick betrachte, dass ich meine Freiheit der Sicherheit opfere. … Selbstverständlich frisst mich der Kummer auf, diesen kleinen Sieg gestehe ich euch zu, aber er wird von kurzer Dauer sein. …Wir sind zwei, mein Sohn und ich, aber wir sind stärker als alle Armeen dieser Erde. Ich will euch jetzt keine Zeit mehr opfern, ich muss mich um Melvil kümmern, der gerade von seinem Mittagsschlaf aufwacht. Er ist gerade mal 17 Monate alt; er wird seinen Brei essen wie jeden Tag, dann werden wir gemeinsam spielen wie jeden Tag und sein ganzes Leben wird dieser kleine Junge euch beleidigen, indem er glücklich und frei ist. Denn nein, auch seinen Hass werdet ihr nicht bekommen.“

Ich will den Verbrechern auch keine Zeit mehr opfern und schalte nur kurz zu den Nachrichten ein.

 

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