Ärzte gegen den Krieg (IPPNW)

Tübingen ist eine friedensbewegte Stadt. Doch die Aktivisten sind älter geworden. Heute gehe ich zu einer Veranstaltung der „Senioren für den Frieden“. Ein pensionierter Zahnarzt spricht über „IPPNW: Ärzte gegen Atomkrieg – Was machen die eigentlich heute?“ Leider gibt es in Tübingen keine eigene Gruppe mehr, zu der in den achtziger Jahren noch viele Ärzte gehörten. Manche aber engagieren sich weiter. Noch 6.500 Ärzte und Ärztinnen, Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen und Medizinstudierende setzen sich ein: Für eine Welt ohne atomare Bedrohung. Für eine Welt in Frieden. Für eine Medizin in sozialer Verantwortung. Die Themen haben sich differenziert. Gegenwärtig steht der Syrienkrieg im Vordergrund.

Prof. Heinz-Jochen Zenker von „Ärzte der Welt“ betreibt seit zehn Jahren einen medizinischen Dienst für Menschen ohne Papiere, seit Neuestem gehört
auch an sechs Tagen der Woche eine Ambulanz für ankommende Flüchtlinge am
Omnibusbahnhof in München dazu. Dort käme es mehr auf die basale medizinische Versorgung an als auf alles andere.

Der Redner weist darauf hin, dass keine Waffenart mehr Opfer fordert als Kleinwaffen: 2013 seien 69.872 und 2014 106.435 Menschen durch Kleinwaffen getötet worden. Die Menschen, die vor Gewalt und Terror fliehen, fliehen auch vor Waffengewalt, die von Waffen aus Deutschland ausgeht, denn Deutschland ist der drittgrößte Exporteur von Kleinwaffen weltweit.

So befinden sich bereits deutsche Waffen in den Händen des „IS“, der damit sein Regime weiter aufrecht erhält und ausbaut, ebenso werden mit deutschen Waffen die Banden- und Drogenkriege in Mexiko geführt. Und auch in libyschen Waffenlagern sind deutsche Sturmgewehre gefunden worden.

„Eine Möglichkeit, deutsche Waffenexporte transparenter zu machen und in den Griff zu bekommen, ist die Einführung eines Rüstungskontrollgesetzes.“ Die Einführung eines solchen Gesetzes könne bewirken, dass zukünftig mehr Klarheit, Transparenz und demokratisches Mitspracherecht herrscht, wenn es um deutsche Waffenexporte geht.

Neben offenen Kriegen engagieren sich die Ärzte aber auch gegen die „friedliche Nutzung“ der Atomkraft: Vor 30 Jahren, am 26. April 1986, fand die Mär von der „sicheren Atomkraft“ mit dem Super-GAU von Tschernobyl ein abruptes Ende. Millionen von Menschen wurden direkt durch radioaktiven Niederschlag betroffen; viele starben und noch viel mehr leiden bis heute an den Folgen der Strahlung. Vor 5 Jahren, am 11. März 2011, zeigte sich, dass die Menschheit die Lektion von Tschernobyl nicht gelernt hatte, als es in Fukushima zu einem mehrfachen Super-GAU kam, dessen von einer Interessengemeinschaft aus atomfreundlichen Regierungen, korrupten Behörden und mächtiger Atomlobby weitgehend vertuschten Folgen nach wie vor gesundheitliche Gefahren für Millionen von Menschen weltweit – auch in Deutschland – zeitigen.

Mehr als 200.000 Menschen aus der Präfektur Fukushima mussten damals ihre Heimat verlassen und in Übergangslager evakuiert werden, wo bis heute noch knapp Hunderttausend ausharren. Aber die Folgen der Katastrophe erstreckten sich weit über die Grenzen der Präfektur hinaus. Millionen von Menschen sind seit Beginn der Katastrophe erhöhten Strahlendosen ausgesetzt – vor allem in den Regionen mit relevantem radioaktivem Niederschlag, aber auch in weniger belasteten Teilen des Landes, wo Menschen mit verstrahltem Trinkwasser, radioaktiver Asche durch verbrannten Dekontaminationsmüll und kontaminierter Nahrung konfrontiert wurden. Die Ärzteorganisation IPPNW wird auf der Pressekonferenz am 17. Februar 2016 in Berlin eine aktualisierte Studie zu den gesundheitlichen Folgen von Fukushima und Tschernobyl vorstellen. Die örtlichen Friedensgruppen kündigen ebenfalls Aktionen an.

Mehr Informationen findet man unter https://www.ippnw.de.

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