Kabarett Stefan Waghubinger

“Außergewöhnliche Belastungen” heißt das  Kabarett von und mit Stefan Waghubinger. Anscheinend ist er vielen bekannt, denn als wir gestern eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung eintreffen, ist der Saal des Rottenburger „Waldhorn“ schon ziemlich voll.

Auf der Bühne beginnt der gebürtige Österreicher mit seiner Steuererklärung, die er endlich angehen will, aber bis zum Schluss nur das Geburtsdatum schafft. Dass er das Zehnte Gebot nach Exodus 20,17 korrekt zitieren kann, verrät den studierten Theologen. Das merkt man endgültig, wenn er im letzten Teil einen besonderen Dialog mit Gott beginnt.

Dabei wirkt Waghubinger mit über der Hose getragenem Hemd und Kaffeepott in der Hand, während er zwischen Stuhl und Tisch hin und herspringt, ziemlich zerstreut. „Es ist tieftraurig und zugleich zum Brüllen komisch, banal und zugleich verblüffend geistreich, zynisch und zugleich warmherzig“, heißt es – oder „durchgängig hochpolitisch und trotzdem kein bisschen besserwisserisch oder missionarisch“ sowie kurz und knapp: „Er nimmt sich nicht wichtig und hält sich zurück“.

„Man muss aufpassen mit der political correctness“, warnt der sprachsensible Künstler, „dass man seine Meinung nicht falsch ausspricht.“ Meinungen hat er zu allem. „Wegen ein paar Betrügern werden die ehrlichen Menschen wie ich erwischt“, schimpft er mit Blick auf seine Steuererklärung.

Die Pointen überschlagen sich, dass man kaum nachkommt. Da sind schöne Erinnerungen an einen Schrottplatz seiner Kindheit: Vielleicht besser als heutiges Spielzeug. Weniger schöne an eine von der Mutter gestrickten Jacke.
Nach rund zwei Stunden des (Ver-)Zweifelns über so ziemlich alle irdischen und überirdischen Probleme trifft ihn dann der Stromschlag seines Wasserkochers, was zum abschließenden Zwiegespräch des Kabarettisten mit Gott führt. „Du gibst uns die Religion und den Verstand, aber beides zusammen dürfen wir nicht gebrauchen.“ Und: „Es ist ja wie in der Beziehung, ich bin da, du bist da, wir wissen nicht warum, aber es muss mal was gewesen sein.“ Es folgt ein letzter Satz, ans Publikum: „Sie sind da, ich bin da, irgendetwas muss gewesen sein.“ Dann ist alles schwarz – der treffende Abgang nach einem tollen Abend.

Der 50-jährige Österreicher, „im ersten Leben studierter Theologe, Kinderbuchautor und Theaterpädagoge, ist auf der Bühne ein Spätberufener, brachte erst vor sechs Jahren sein erstes Soloprogramm heraus. Die typischen politkabarettistischen Plattitüden und Männlein-Weiblein-Späße vieler seiner Berufsgenossen sind ihm daher fremd. Vielmehr hat der genaue Blick ins Dies- und Jenseits aus dem Wahl-Stuttgarter einen schwarzhumorigen, realitätsgesättigten Grantler gemacht, dessen neues Programm mit „Außergewöhnliche Belastungen“ ziemlich treffend betitelt ist. Zwar erntet er immer wieder mit spitzen Pointen heiteres Lachen, doch viele seiner Betrachtungen liegen wirklich schwer im Magen und treffen ins Schwarze.“ So eine Pressekritik.

Waghubinger hat zusammen mit seiner Frau einige Bücher mit Cartoons und Erzählungen herausgegeben, die er anschließend signiert. Darunter „A-men, 130 unglaubliche Cartoons.“ Einige davon sind erstaunlicherweise im Evangelischen Gemeindeblatt für Württemberg erschienen.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s