Landraub

Rappelvolles Kino „Waldhorn“ in Rottenburg. Aber es wird kein „Blockbuster“ gezeigt, sondern ein Dokumentarfilm von Kurt Langbein über „Landraub“.

Seit 2008 haben Großinvestoren die Landwirtschaft als Möglichkeit zum Geldverdienen entdeckt. Sie pachten und kaufen vor allem in Ländern der Dritten Welt riesige Flächen, zahlen dafür verschwindend geringe Beträge und machen aus dem ehemaligen Ackerland, brach liegenden Böden und aus Urwäldern monokulturelle „Nutz“flächen, ge„nutzt“ insbesondere für die Märkte reicher Länder. Die ortsansässigen Bauern müssen mit ihrem regionalen Landbau weichen. Nicht selten werden sie mit Waffengewalt vertrieben und es bleibt ihnen nur das, was sie am Leibe tragen…
Überall auf der Welt wird dies praktiziert. Für den unstillbaren Appetit der Industrieländer auf billige Produkte müssen Urwälder brennen, werden kleine landwirtschaftliche Nutzflächen eingeebnet und als Monokulturen mit Kunstdünger und aufwändiger Bewässerung neu bepflanzt, werden Menschen ihrer Lebensgrundlage beraubt.

Neu sind das Ausmaß und die Geschwindigkeit dieses Landerwerbs sowie die dabei zu beobachtende massive Umgehung von Landrechten. Bei der neuen Landnahme heute werden nicht nur wie zuvor Cash Crops (Kaffee, Kakao, Bananen) angebaut, sondern auch Grundnahrungsmittel wie Weizen, Reis und Mais. Zu dem traditionellen Motiv der Profitmaximierung ausländischer Investoren gesellt sich das der eigenen Ernährungssicherung der investierenden Länder.

Der Preisanstieg für Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt in den Jahren 2005 bis 2008 hat den Prozess der Landnahme gefährlich beschleunigt. Im Zuge der ansteigenden Weltmarktpreise auf Agrarprodukte stiegen auch die Preise für Boden in den rasch wachsenden Schwellenländern und der industrialisierten Welt. Dies machte das billigere Land in den Entwicklungsländern für Investoren zunehmend attraktiv.

Ackerland wird zum Spekulationsobjekt. Angesichts mittelfristig steigender Agrarpreise wird das Interesse an Landgeschäften noch steigen. Der in den letzten Jahren deregulierte intransparente internationale Finanzmarkt macht dies möglich.

Die Fakten sind lange bekannt. Dennoch lohnt der eindrucksvolle Film, zumal wenn hinter her eine Diskussion stattfindet. An diesem Abend ergänzt Dr. Lioba Weingärtner, eine „Ökotrophologin“ mit weltweiter Beratungspraxis die Fakten. Sie macht außerdem Vorschläge, was jede/r tun kann.

Sie empfiehlt politische Arbeit mit den bekannten Organisationen wie FIAN oder auch kirchliche Organisationen wie MISEREOR oder BROT FÜR DIE WELT. Nicht zu unterschätzen ist aber auch das eigene Konsumverhalten. Dazu allerdings fehlen oft die Produktinformationen. Wer weiß schon beispielsweise, in welchen Waren überall problematisches Palmöl verwendet wird?

Ich ärgere mich schon lange über den Wirtschaftsteil der meisten Zeitungen. Sie sind fast immer an Aktienbesitzer gerichtet, aber gehen nicht von den Interessen der Mehrheit aus.

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