In Memoriam Karl Rennstich

Der Theologe, Historiker und Missionswissenschaftler Professor Karl Rennstich (78) ist gestorben. Er erlag am 19. Dezember 2015 in Reutlingen den Folgen eines schweren Sturzes. Die Trauerfeier findet am 4. Januar 2015 in Reutlingen statt.

Ich habe Rennstich näher kennengelernt bei einem Kurs „Führen und Leiten“ als Direktor des Pastoralkollegs der Evangelischen Landeskirche in Württemberg in Bad Urach. Später wirkte er auf meinen Tagungen in der Evangelischen Akademie Bad Boll mit.

Er hat sich jahrzehntelang mit theologisch-ethischen Aspekten der Wirtschaft auseinandergesetzt. Im November noch hat er ein Manuskript mit dem Titel „Auf dem Weg zu einer christlich-islamischen Solidargemeinschaft“ vorgelegt.

Der Handwerkersohn Rennstich aus Stetten am Heuchelberg absolvierte eine Automechaniker-Lehre, ehe er Theologie studierte in Wuppertal und Basel. Im Auftrag der Basler Mission ging er 1965 bis 1972 mit seiner Familie nach Sabah (Ost-Malaysia). Dann war er bis 1977 Dozent am Trinitiy College in Singapur, wo er auch die Deutsche Evangelische Gemeinde gründete. Er wurde 1976 in Basel in Theologie promoviert.

Zurück in Deutschland leitete er zunächst den Dienst für Mission und Ökumene in Heilbronn, ehe er 1986 als Studienleiter an die Missionsakademie der Universität Hamburg berufen wurde. Ab 1992 baute er das Pastoralkolleg in Bad Urach auf. Zudem war er Privatdozent für Missionswissenschaften an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Basel ab 1985 und habilitierte sich dort 1988. Die Universität Basel ernannte ihn 1994 zum Professor.

Das für mich wichtigste Werk des Missionswissenschaftlers Rennstich ist “Korruption. Eine Herausforderung für Gesellschaft und Kirche“, Quell Verlag Stuttgart 1990.

Schon in seiner Doktorarbeit über Mission und wirtschaftliche Hilfe entdeckte er, dass Korruption eines der größten Hindernisse für eine menschliche Entwicklung ist. Zu seiner Verwunderung interessierte sich die akademische Theologie dafür wenig. Nach seiner Rückkehr von zwölfjähriger praktischer Kirchenarbeit in Asien Ende der 1970er Jahre beschäftigte er sich theologisch und politisch mit dem Thema bis zum Ende dieser Untersuchung 1987. Er hat dabei einen weiten Bogen geschlagen: Korruption als soziologisches, politisches und ökonomisches Phänomen. Dann aber in einem zweiten Teil „Korruption aus der Sicht der Bibel“ und schließlich im dritten Teil „Korruption als weltweite Herausforderung der christlichen Kirche“.

Am Ende kommt er zu dem Ergebnis, dass Korruption eines Auswirkung des Bösen ist und alle Menschen guten Willens zum Widerstand zwingt: „In allen großen Weltreligionen gab es immer wieder Menschen, die aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen die Korruption als eine Auswirkung des Bösen beim Namen nannten und vehement bekämpften. In Indien waren es im Altertum Kautilya und in neuerer Zeit Mahatma Gandhi, die in der Korruption ein Verbrechen gegen die Menschen sahen und entsprechend energisch dagegen ankämpften. Ähnliche Beispiele finden wir in der Geschichte des Islam und in der Geschichte der christlichen Kirchen. Auch im Sozialismus chinesischer und sowjetischer Prägung wird die Korruption von verantwortungsbewussten Politikern als Böses erkannt und bekämpft.

Doch mehr als in allen anderen Religionen und Ideologien ist im christlichen Glauben die Korruption als Sünde und somit als Feindschaft gegen Gott und Menschen bezeichnet. Die Kirchen können deshalb gar nicht anders, wenn sie ihrer Bestimmung, Kirche Jesu Christi sein zu wollen, treu bleiben möchten, als gegen die Korruption in ihren vielfältigen Formen energisch einzuschreiten. Indem die Christen bekennen, dass ihr Herr unter Pontius Pilatus gekreuzigt wurde, sagen sie gleichzeitig, dass er ein Opfer der Korruption seiner Zeit geworden ist und auch im Kampf gegen diese sein Leben hingab. Die Warnungen der Bibel vor der Habsucht, die wir als eine Wurzel der Korruption erkannt haben, sind eindeutig und haben heute mehr als je aktuelle Bedeutung.

Der aktive Kampf gegen dieses schnell wuchernde Krebsgeschwür er Gesellschaft, das tödliche Folgen hat, ist die große Herausforderung der Kirche Jesu Christi und ein Feld für die Bekennende Kirche!…Sie weiß, dass sie die Hilfe dessen, dem alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist, braucht, und betet deshalb: „Und erlöse uns von dem Bösen“ – aber sie tut das aktiv, indem sie gegen das Böse mutig zu Felde zieht, weil sie nur so als Kirche Jesu Christi seiner Gegenwart gewiss sein kann und auch getrost gewiss sein darf.“ S.227f.

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